Schmiergeld: Russischer Minister festgenommen

Ein Mann mit Brille und dunklem Anzug blickt ernst in die Kamera.
Uljukajew soll Schmiergeld angenommen haben. Der Wirtschaftsminister ist der hochrangigste Politiker, der seit 1991 verhaftet wurde.

Ein Korruptionsskandal erschüttert die russische Regierung: Wirtschaftsminister Alexej Uljukajew (60) wurde festgenommen, weil er im Zuge eines Ölgeschäftes Schmiergeld in Höhe von zwei Millionen US-Dollar (1,85 Millionen Euro) angenommen haben soll.

Zustimmung erkauft

Mit dem Geld soll seine Zustimmung für den Erwerb der Ölgesellschaft Bashneft (Baschneft), sechstgrößter Ölproduzent Russlands mit Sitz im südlichen Bashkortostan, durch den Großkonzern Rosneft im Oktober erkauft worden sein, wie die oberste russische Ermittlungsbehörde am Dienstag mitteilte. Die Behörde ist direkt Präsident Wladimir Putin unterstellt, das Vorgehen gegen einen amtierenden Minister gilt als beispiellos.

Ein Arbeiter steigt eine Treppe an einem Tank mit dem Logo von Baschneft hinauf.
An employee walks down stairs at Bashneft - Novoil refinery in the city of Ufa, Russia, April 11, 2013. REUTERS/Sergei Karpukhin/File Photo
Uljukajews Ministerium habe den Verkauf von 50 Prozent Staatsanteilen am Ölkonzern Bashneft an den ebenfalls staatlich kontrollierten Ölriesen Rosneft genehmigt, hieß es in der Mitteilung. Rosneft wird von Igor Setschin geführt, einem bisherigen Weggefährten Putins.

Russland hatte die Pläne zur Teilprivatisierung von Bashneft im Sommer vorübergehend auf Eis gelegt, weil sie für Unruhe in Wirtschaft und Politik sorgten. Umstritten war, ob der ebenfalls staatlich gelenkte Konzern Rosneft überhaupt für Bashneft bieten darf. Rosneft hatte im Oktober 50 Prozent an Bashneft für 330 Milliarden Rubel (4,62 Mrd. Euro bzw. fünf Mrd. US-Dollar) übernommen.

Streit zwischen Lukoil und Rosneft

Die Wirtschaftszeitung "Kommersant" hatte berichtet, die Konzerne Lukoil und Rosneft hätten sich um Bashneft gestritten. An Rosneft ist der Staat ebenfalls mehrheitlich beteiligt. Offenbar intervenierten auch die Behörden von Bashkortostan, weil sie durch den Verkauf auch Folgen für ihre Beteiligung befürchteten. Der russische Staat will sich von Beteiligungen an mehreren Unternehmen trennen, um finanzielle Ausfälle durch den Sturz des Ölpreises aufzufangen.

Die Untersuchungskommission, die direkt an Putin berichtet, erklärte, sie werde die Anklagepunkte bald veröffentlichen. Der Minister sei bei einem Einsatz des russischen Geheimdienstes FSB festgenommen worden, teilte die Ermittlungsbehörde weiter mit. Er habe das Schmiergeld am Montag entgegen genommen. Es werde nun bald Anklage erhoben; dem Minister drohten zwischen acht und 15 Jahren Gefängnis.

Angeblich auf frischer Tat ertappt

Eine Sprecherin der Behörde, Swetlana Petrenko, sagte der Nachrichtenagentur RIA Nowosti, Uljukajew sei auf frischer Tat ertappt worden. "Es handelt sich um Erpressung, um von Rosneft-Vertretern Schmiergeld zu bekommen in Verbindung mit Drohungen", sagte Petrenko.

Kreml-Sprecher Dmitri Peskow sagte der Nachrichtenagentur Interfax, die Anschuldigung sei sehr schwerwiegend. Dafür müsse es ernstzunehmende Beweise geben. "In jedem Fall kann das nur ein Gericht entscheiden", sagte Peskow. Auf die Frage, ob Präsident Putin über die Festnahme seines Ministers informiert sei, antwortete der Sprecher: "Es ist Nacht, ich weiß nicht, ob der Präsident informiert wurde."

Der frühere stellvertretende Nationalbankchef Uljukajew ist seit 2013 Minister für wirtschaftliche Entwicklung. Er gilt als einer der liberalen Spezialisten, die Russlands Wirtschaft trotz Krise am Laufen halten. Uljukajew ist der hochrangigste Politiker, der seit 1991 verhaftet wurde.

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