Politik | Ausland
10.08.2018

Rumänien: Reizgas und Schlagstöcke bei Großdemo ein

Mindestens 76 Menschen, darunter auch einige Polizisten, wurden bei dem Einsatz verletzt.

In der rumänischen Hauptstadt ist die erste Großdemonstration der Auslandsrumänen gegen die Regierung unter Ministerpräsidentin Vasilica Viorica Dancila am Freitagabend von Zusammenstößen mit der Polizei überschattet worden. Die Polizei setzte schon zu Beginn der Demo massiv Reizgas und Schlagstöcke ein, nachdem eine Gruppe eine Absperrung durchbrach und zum Regierungssitz vordringen wollte.

Mindestens 76 Menschen, darunter auch einige Polizisten, wurden bei dem darauffolgenden Einsatz verletzt und mussten vor Ort notverarztet oder in Krankenhäuser gebracht werden, weitere, darunter auch eine gehbehinderte Frau im Rollstuhl, verloren das Bewusstsein und mussten auf Tragen zu den bereitstehenden Rettungswägen gebracht werden. Als Folge wurde die Stimmung noch explosiver, die Polizei setzte bis zum späten Abend wiederholt Reizgas und kurzfristig sogar Wasserwerfer ein und ließ Sondereinsatzkräfte aufmarschieren. Der Polizeieinsatz war auch für das protestgewöhnte Bukarest außergewöhnlich.

65.000 Menschen auf der Straße

Die etwa 65.000 Demonstranten ließen sich jedoch von Hitze und Reizgas nicht abschrecken und demonstrierten stundenlang vor dem Regierungsgebäde. Auf dem zentralen Siegesplatz war ein riesiges Fahnenmeer zu sehen, da viele Auslandsrumänen auch die Fahnen ihrer Wohnländer schwenkten: Britische, spanische, italienische, US-amerikanische, kanadische, deutsche, belgische, dänische, schwedische, österreichische und viele andere.

Die Menschen riefen "Wir gehen nicht weg", "Rücktritt", "Fort mit der Mafia-Regierung", "Ohne Straftäter in hohen Ämtern", "Wir sind das Volk" und "Wir geben nicht auf". Auch die Polizei bekam Sprechchöre ab: "Ohne Gewalt" und "Schämt euch, ihr beschützt Diebe", hieß es wiederholt in Richtung Ordnungshüter. Die Demonstranten forderten den umgehenden Abgang von Regierungschefin Dancila und ihres Kabinetts, den Rücktritt des vorbestraften sozialdemokratischen Parteichefs Liviu Dragnea als Parlamentspräsident, die Rücknahme der umstrittenen Justizreform und Strafrechtsnovelle, eine hartnäckige Korruptionsbekämpfung sowie Neuwahlen.

Auch in mehreren anderen Städten - Sibiu, Cluj, Timisoara, Brasov, Iasi, Oradea, Galatz, Craiova und Constanta - demonstrierten weitere Zehntausende gegen die sozialdemokratische Regierung.