Politik | Ausland
06.07.2018

Rebellen in Südsyrien geben auf - Einigung mit russischer Armee

Feuerpause und schrittweise Entwaffnung der Rebellen vereinbart. Russische Militärpolizei soll an der Grenze zu Jordanien stationiert werden.

Nach massiven Angriffen regierungstreuer Truppen und der russischen Luftwaffe haben Rebellen im Süden Syriens ihrer Entwaffnung zugestimmt. Zunächst würden sie ihre schweren Waffen abgegeben, teilten die Rebellen nach Verhandlungen mit russischen Armeevertretern am Freitag mit. Damit kommen die Rebellengebiete in der Provinz Deraa wieder unter die Kontrolle von Präsident Bashar al-Assad.

Regierungstreue Truppen übernahmen den Grenzübergang Nassib zu Jordanien, wie staatliche Medien berichteten. Die Kämpfe der vergangenen Wochen hatten eine Massenflucht der Zivilbevölkerung ausgelöst.

Die nun getroffene Vereinbarung sieht den Rebellenangaben zufolge vor, dass Zivilisten unter russischem Schutz wieder in ihre Dörfer und Städte zurückkehren können. Dies gelte auch für ehemalige Kämpfer, wenn sie die staatliche Autorität akzeptierten. Die Rebellen, die nicht im Machtbereich von Präsident Assad leben wollten, dürften in den noch von Aufständischen gehaltenen Nordwesten des Landes umsiedeln.

Augenzeugen am jordanischen Grenzzaun berichteten von gepanzerten Fahrzeugen und einem Panzer mit russischer Fahne auf der Fahrt zum Grenzübergang Nassib. Vor zwei Wochen hatte der Vormarsch regierungstreuer Truppen in Deraa begonnen. Sie wurden dabei von der russische Luftwaffe unterstützt. Nächstes Ziel der Assad-Truppen dürften die Rebellengebiete in der Provinz Kuneitra an der Grenze zu den israelisch besetzten Golanhöhen sein. Diese befinden sich unter anderem unter der Kontrolle einer Jihadistengruppe mit Verbindungen zur Extremisten-Miliz Islamischer Staat (IS).

Der Südwesten Syriens ist eigentlich eine der sogenannten Deeskalationszonen, auf die sich Russland, Jordanien und die USA geeinigt hatten, um die Gewalt einzudämmen. Die deutsche Regierung verurteilte die Kämpfe und forderte Russland auf, für die Wiederherstellung der Waffenruhe zu sorgen. "Die von Russland und Iran unterstützte militärische Offensive des Assad-Regimes hat zu einer katastrophalen humanitären Lage geführt. Über 320.000 Menschen mussten fliehen", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. Nach Angaben des UNO-Flüchtlingshilfswerks UNHCR vom Mittwoch drängen sich allein etwa 40.000 Menschen an der Grenze zu Jordanien, das bereits 650.000 Syrer als Flüchtlinge registriert hat.