Politik | Ausland
30.04.2018

Raketenangriffe auf mehrere syrische Militärstützpunkte

Bei den Angriffen sollen laut Aktivisten 26 regierungstreue Kämpfer getötet worden sein, ein Großteil von ihnen stammt aus dem Iran.

Mehrere syrische Militärstützpunkte sind amtlichen Medien zufolge am Sonntag von Raketen getroffen worden. Es handle sich um eine neue feindliche Aggression, berichtete das Staatsfernsehen unter Berufung auf Armeekreise. Betroffen seien Stellungen in ländlichen Gebieten, und zwar in den Gegenden von Hama und Aleppo.

Aus Kreisen der Opposition verlautete, einer der Stützpunkte befinde sich nahe der Stadt Hama. Er gilt als Rekrutierungszentrum für vom Iran unterstützte schiitische Milizen, die auf der Seite der syrischen Regierungstruppen kämpfen. In Geheimdienstkreisen war die Rede von Raketenangriffen auf mehrere Kommandozentralen von Milizen, die vom Iran unterstützt werden.

Bei den Raketenangriffen sind Aktivsten zufolge mindestens 26 regierungstreue Kämpfer getötet worden. Bei den meisten Toten in der Provinz Hama handle es sich um Iraner, erklärte die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Montag. Demnach ist "wahrscheinlich" Israel für die Raketenangriffe vom Sonntagabend verantwortlich.

Laut syrischer Nachrichtenagentur Sana handelt es sich bei dem angegriffenen Stützpunkt in Hama um den Stützpunkt der 47. Brigade. In Aleppo wurde nach Angaben der Beobachtungsstelle ein Militärflughafen beschossen. Auf beiden Stützpunkten waren demnach Lager für Boden-Boden-Raketen das Ziel der Angriffe.

Die in Großbritannien ansässige Beobachtungsstelle stützt sich auf ein Netzwerk von Informanten vor Ort, ihre Angaben sind kaum unabhängig zu überprüfen.

Israel hat bereits mehrfach Außenposten solcher Milizen in Syrien angegriffen. Ziele waren insbesondere Waffenlieferungen der mit dem syrischen Präsidenten Bashar al-Assad verbündeten libanesischen Hisbollah-Miliz. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hatte zuletzt angekündigt, weiter "gegen den Iran in Syrien" vorzugehen.

Der israelische Verteidigungsminister Avigdor Lieberman hatte erst Stunden zuvor erklärt, die Streitkräfte behielten sich weitere Einsätze in Syrien vor. "Wir haben nicht die Absicht, Russland anzugreifen oder uns in innere syrische Angelegenheiten einzumischen", sagte er. Angriffe gegen iranische Milizen schloss er jedoch indirekt nicht aus. "Wenn jemand meint, dass es möglich ist, Raketen abzufeuern oder Israel selbst oder gar unsere Flugzeuge anzugreifen, dann werden wir zweifelsohne antworten, und zwar werden wir sehr heftig antworten", wurde der Minister von israelischen Medien zitiert.

Nach Liebermans Worten hat Israel genau drei Probleme: "Iran, Iran und Iran." Teheran versuche, die gesamte Region zu destabilisieren, und das nicht nur in Israel. "Schauen Sie einmal nach Jemen, Libanon, Irak und Syrien." Der Iran unterstütze Stellvertreter rund um Israel. Viele islamistische Bewegungen würden ohne iranische Unterstützung "nicht einmal eine Woche überleben".

Der Iran ist neben Russland der engste Verbündete der Regierung von Staatschef Assad. Am 9. April hatten Russland und Syrien Israel für Angriffe auf Stützpunkte nahe Homs mit mindestens 14 Toten verantwortlich gemacht.