Politik | Ausland
16.05.2018

Rätselraten um Abbau von Atomanlagen in Nordkorea

Wissenschaftler sind sich unsicher, ob derzeit wirklich nur Abbauarbeiten an dem Atom-Testgelände vorbereitet werden.

Im wieder entfachten Streit über das Atomprogramm Nordkoreas geben Satellitenbilder von Arbeiten auf dem Nuklear-Testgelände Punggye Ri Rätsel auf. Experten sind uneinig, ob die Aufnahmen den Beginn der Stilllegung zeigen oder die Abrissarbeiten zu einem Versuch gehören, Beweismittel über den tatsächlichen Stand des Atomwaffenprogramms zu beseitigen.

Auf den Satellitenbildern - die jüngsten stammen vom 14. Mai - sehe es zunächst so aus, als ob oberirdische Gebäude und Einrichtungen abgebaut würden, sagt der Bildanalyse-Experte Scott LaFoy. "Das könnte auf eine Schließung hindeuten, da man dafür Ingenieure und Monteure an Ort und Stelle benötigt." Dies würde sich mit nordkoreanischen Presseberichten zu denn Arbeiten decken, nach denen die Schließung des Geländes vorbereitet werde. Darin sagte die Regierung unter anderem zu, die Tunnel zu sprengen und dann die Eingänge zu versiegeln. Gleichzeitig sollen Forschungs-, Mess- und Überwachungseinrichtungen abgebaut werden. "Nicht erkennbar ist aber, ob das Gelände auf Jahre hin nicht mehr zu benutzen sein wird oder der Betrieb binnen Wochen oder Monaten wieder hochgefahren werden kann", betont LaFoy.

Internationale Experten sind nicht zugelassen

Zur offiziellen Schließung von Punggye Ri ist eine Zeremonie geplant, zu der einige ausländische Journalisten eingeladen sind. Internationale Inspektoren, die bestätigen könnten, dass die Anlage wirklich unbrauchbar gemacht wird, sind bisher nicht zugelassen. Experten bleiben daher skeptisch. Das Testgelände sei der härteste Beweis für die Atom-Fortschritte Nordkoreas, sagt Suh Kune-yull, Professor für Nukleartechnik an der Universität Seoul. "Offenbar versucht Nordkorea, alle Beweise für seine Atomwaffenfähigkeit zu beseitigen."

Nordkoreanischen Staatsmedien zufolge soll das Gelände zwischen dem 23. und dem 25. Mai zerstört werden. Die Atom- und Raketentests hatten im vergangenen Jahr die Spannungen zwischen den USA und Nordkorea erhöht. Seit Jahresbeginn herrschte jedoch Tauwetter. Für den 12. Juni ist sogar ein historisches Treffen von US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un geplant. Dahinter steht aber plötzlich wieder ein Fragezeichen. Sollten die USA weiter darauf bestehen, dass Nordkorea sein Atomprogramm aufgibt, müsse über das Treffen noch einmal nachgedacht werden, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur KCNA unter Berufung auf den ersten Vize-Außenminister Kim Kye-gwan.