Politik | Ausland
04.07.2018

Proteste gegen Räumung von Beduinendorf im Westjordanland

Israel will die Beduinensiedlung Chan Al-Achmar östlich von Jerusalem mit mehr als 180 Bewohnern räumen.

Bei Protesten gegen die geplante Räumung eines Beduinendorfs im Westjordanland sind 35 Menschen verletzt worden. Vier davon mussten ins Krankenhaus gebracht worden, wie der palästinensische Rettungsdienst Roter Halbmond am Mittwoch mitteilte. Israel will die Beduinensiedlung Chan Al-Achmar östlich von Jerusalem mit mehr als 180 Bewohnern räumen.

Die Menschen sollen stattdessen auf ein Grundstück wenige Kilometer entfernt umziehen, dieses soll ihnen von Israel zur Verfügung gestellt werden.

Am Mittwoch fuhren Baufahrzeuge in dem Gebiet auf, wie Bilder im Internet zeigten. Die israelische Polizei teilte lediglich mit, dass dort bei Unruhen zwei Menschen verhaftet worden seien. Es seien Steine auf Polizisten geworfen worden.

Scharfe Kritik der EU

Die Beduinensiedlung befindet sich in dem strategisch wichtigen Gebiet E1, dass das Westjordanland in eine Nord- und eine Südhälfte unterteilt. Es gehört zu den 60 Prozent des Westjordanlandes, die unter voller israelischer Kontrolle stehen.

Die EU und die deutsche Bundesregierung haben die geplante Zwangsumsiedlung der Menschen bereits scharf kritisiert. "Falls hier (israelische) Siedlungen entstehen sollten, würden die Aussichten auf ein zusammenhängendes palästinensisches Staatsgebiet - und damit die Umsetzbarkeit einer Zwei-Staaten-Lösung - deutlich verringert", hieß es kürzlich in einer Stellungnahme der Bundesregierung.

Die zuständige israelische Behörde Cogat hatte kürzlich die geplante Räumung verteidigt. "Das ist Land des Staates Israel, das ist kein Privatland", sagte eine Sprecherin. Am Mittwoch wollte sie sich nicht äußern. Das Höchste Gericht Israels hatte Ende Mai entschieden, die Beduinen hätten ohne entsprechende Genehmigung gebaut, Israel dürfe das Dorf räumen.