Erste Hochrechnung: Grüne gewinnen Landtagswahl in Baden-Württemberg
Der Jubel bei den Grünen war enorm: Monatelang schien der CDU der Wahlsieg fast schon sicher. Noch beim Parteitag Mitte Februar hatte die in Umfragen stagnierende Bundes-CDU von Kanzler Friedrich Merz auf einen Sieg gehofft. Doch in den vergangenen Wochen haben die Grünen aufgeholt. Und laut ersten Hochrechnungen am Sonntagabend tatsächlich wieder den ersten Platz bei der Landtagswahl im süddeutschen Bundesland Baden-Württemberg geholt.
Demnach kam die Partei von Spitzenkandidat Cem Özdemir auf 31,8 bzw. 31,7 Prozent der Stimmen, die CDU erreichte 29,6 bzw. 30,3 Prozent. Die rechtspopulistische AfD wurde drittstärkste Kraft, die SPD schaffte es nur noch knapp ins Landesparlament. FDP und Linke scheiterten an der Fünf-Prozent-Hürde.
Eine Fortsetzung der Koalition von Grünen und CDU war erwartet worden. Offen war bis zuletzt nur, welche der beiden Parteien am stärksten abschneidet und damit den Ministerpräsidenten stellen wird. Noch vor wenigen Wochen hatte die Partei von Bundeskanzler Friedrich Merz einen deutlichen Vorsprung, doch konnten die Grünen mit ihrem beliebten Spitzenkandidaten Özdemir am Ende aufholen. Der langjährige Grüne Ministerpräsident Winfried Kretschmann hatte nach drei Amtszeiten nicht mehr kandidiert.
CDU-Spitzenkandidat gratuliert Özdemir
CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann gab die Wahl für seine Partei nach den ersten Hochrechnungen aber noch nicht verloren. Der Abend bleibe spannend, sagte er in der ARD. CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel sagte, dass er selbst die Verantwortung für das Ergebnis übernehme. Und er räumte am Abend ein, dass er den Ball nun bei den Grünen sehe. Auch wenn das Ergebnis bis jetzt nicht final sei, rechne er mit einem klaren Ergebnis: "Dazu gratuliere ich der Partei und auch Ihnen ganz persönlich, Herr Özdemir." Der Auftrag zur Regierungsbildung obliege nun den Grünen, nicht seiner Partei.
Özdemir sprach sich für eine Fortsetzung des Regierungsbündnisses mit der CDU aus. Er hoffe darauf, "dass wir knapp vor den Kollegen von der CDU sind und dann die erfolgreiche Koalition der letzten zehn Jahre gemeinsam fortsetzen auf Augenhöhe", sagte er. "Wir haben das Land zehn Jahre verlässlich regiert, das hat dem Land gutgetan unter Führung von Winfried Kretschmann, und genau so möchte ich es weiterregieren."
Kretschmann zeigte sich "froh, dass ich jetzt aufhören darf". "Und wenn man solch einen talentierten Nachfolger hat, der so viel Erfahrung, Weitsicht und Umsicht hat, dann geht man auch gerne aus dem Amt", fügte er mit Blick auf den sich abzeichnenden Sieg seines Parteifreundes Özdemir hinzu.
Die AfD dürfte drittstärkste Kraft im Stuttgarter Landtag werden. Sie kann mit 17,7 bzw. 17,9 Prozent rechnen. Die SPD dürfte auf 5,5 bzw. 5,4 Prozent kommen. FDP und Linke liegen mit jeweils 4,4 bzw. 4,5 Prozent unter der Fünf-Prozent-Hürde.
AfD "sehr zufrieden", SPD beklagt Ergebnis als "sehr bitter"
AfD-Co-Vorsitzende Alice Weidel sagte, sie sei "sehr zufrieden". Es laufe auf eine Verdoppelung des vorherigen Ergebnisses hinaus. "Wir werden Oppositionsarbeit machen", kündigte sie an. SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf bezeichnete das Ergebnis seiner Partei als "sehr bitter". Die Sozialdemokraten seien zwischen den Spitzenkandidaten von CDU und Grünen "unter die Räder gekommen". Er hoffe, dass dieser Effekt bei der bevorstehenden Landtagswahl in Rheinland-Pfalz auch eintrete - und zwar zugunsten des dortigen SPD-Spitzenkandidaten Alexander Schweitzer. Der baden-württembergische SPD-Landeschef Andreas Stoch trat noch am Wahlabend zurück.
Die Wahlbeteiligung lag den Hochrechnungen nach bei 70,2 bis 71,5 Prozent (2021: 63,8). Rund 7,7 Millionen Menschen waren im äußersten Südwesten Deutschlands wahlberechtigt - so viele wie noch nie. Denn erstmals durften auch Jugendliche ab 16 Jahren an der Landtagswahl teilnehmen. Der mittlerweile 77-jährige Ministerpräsident Kretschmann war nicht mehr angetreten. Er ist seit 2011 im Amt - als erster und bisher einziger grüner Regierungschef eines deutschen Bundeslandes. Davor hatte über Jahrzehnte die CDU den Ministerpräsidenten in Baden-Württemberg gestellt.
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