Politik | Ausland
28.05.2018

Porträt: Noch deutscher als ein Deutscher

Der Ökonom Carlo Cottarelli, ein Währungsfonds-Sparmeister, soll Italien interimistisch führen.

Wenn das Ziel war, die Märkte zu beruhigen, dafür aber Lega-Chef Salvini und 5-Sterne-Anführer Luigi Di Maio auf die Palme zu bringen, dann ist die Übung geglückt. Carlo Cottarelli steht wirtschaftspolitisch für das Gegenteil dessen, was die Populistenregierung wollte.

Nach Stationen bei der italienischen Nationalbank und beim Energieriesen ENI hat der 64-jährige Cottarelli 25 Jahre lang für den Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington gearbeitet – und nicht nur das: Von 2008 bis 2013 war er Chef der Steuerabteilung, die den Regierungen mit ihrem „Fiskalmonitor“ regelmäßig Sparvorgaben erteilt und überhöhte Ausgaben rügt. In der Regierung von Enrico Letta diente er schon einmal, 2013, in einer heißen Phase interimistisch als Sparkommissar. An seiner Einstellung hat sich nichts verändert: Drei seiner vier jüngsten Twitter-Meldungen kritisieren Italiens hohe Pensionskosten.

Cottarellis aktuelles Buch, auf Englisch im Juni 2017 erschienen ("What we owe"), will mit „Mythen und Lügen“ über Staatsschulden aufräumen. Er zerpflückt die Vorstellungen – explizit auch von Lega und Fünf Sternen – , Italien könne sich seiner drückenden Schuldenprobleme kurzerhand, über einen „Shortcut“, entledigen. Geld drucken, Weginflationieren, Pleite ausrufen oder Euro-Austritt wären Scheinlösungen, die am Grundübel nichts ändern, schreibt der Anti-Savona. Italiens Löhne seien nach dem Eurobeitritt zu rasch gestiegen, die Industrie habe (wie in Griechenland) Wettbewerbsfähigkeit verloren, so Cottarelli: „Die gute Nachricht: Die Staatsschulden senken wird lange dauern, muss aber keine traumatischen Lösungen erfordern.“ Nachsatz: „Wenn wir rechtzeitig handeln.“