Die Bundeskanzler Leopold Figl und Julius Raab

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Politik Ausland
09/29/2019

Politiker-Anekdoten: „Es gibt nur einen Bundeskanzler“

Man sollte auch am Tag der Nationalratswahlen die Politik nicht ganz ernst nehmen.

von Georg Markus

Wenn heute gewählt wird, dann ist das eine ernste Sache. Es gibt aber genügend Gründe, die Politik auch von ihrer heiteren Seite zu betrachten. Jedenfalls im historischen Rückblick. Dafür seien einige Beispiele aus meinem reichen Anekdotenschatz zitiert.

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Als Bundeskanzler Leopold Figl in den 1950er-Jahren nach einem fulminanten Abendessen das Wiener Restaurant „Drei Husaren“ verließ, schrieb er ins Gästebuch: „Wie immer gut, Figl.“

„Aber Herr Bundeskanzler“, wunderte sich der Restaurantchef, „Sie sind doch das erste Mal bei uns, wie können Sie wissen, dass es immer gut ist?“

„Sie werden doch nicht behaupten“, erwiderte Figl, „dass es manchmal schlecht ist.“

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Da es Figl in seiner Funktion als Außenminister zu seinem Sport machte, zu allen Europaratssitzungen nach Straßburg zu fliegen, spöttelte der spätere SP-Vizekanzler Bruno Pittermann: „Österreich könnte eine neue Nationalhymne haben: ,Kommt ein Figerl geflogen.’“

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Julius Raab war, ehe er Bundeskanzler wurde, Klubobmann, Stellvertretender Bundesparteiobmann, Chef der ÖVP-Niederösterreich, Obmann des Wirtschaftsbundes und Präsident der Bundeswirtschaftskammer. Auch innerhalb seiner Partei witzelte man über die immer größer werdende Macht- und Ämterfülle des Politikers: „Dem Raab geht’s gut. Weil er der einzige Österreicher ist, der, wenn er was braucht, den Raab nicht fragen muss.“

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Als Wirtschaftskammerpräsident begründete Raab gemeinsam mit dem Gewerkschaftspräsidenten Johann Böhm 1946 die Sozialpartnerschaft. Als Böhm einmal mit seinen Forderungen für die Arbeitnehmer zu weit ging, entgegnete Raab in Anspielung an die Zwischenkriegszeit: „Mei liaber Freund, weil´s damals allen gleich schlecht ’gangen is, kann’s ja jetzt net allen gleich guat gehen.“

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Raab war es auch, der für den schwarz-roten Proporz eine Formel fand: „Proporz is, wenn i ins Gebäude vom Rundfunk kumm und plötzlich überall statt aner Hand zwa Händ schütteln muss.“

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Der saudi-arabische König Ibn Saud war viele Jahre lang Patient des berühmten Wiener Internisten Karl Fellinger. Julius Raab, der nie ein Hehl daraus machte, keine besondere Beziehung zur Musik zu haben, besuchte den König im Allgemeinen Krankenhaus, wo er, als er sich mit ihm unterhielt, die Dienste eines Dolmetschers in Anspruch nahm.

Als der König auf Österreichs große Musiktradition zu sprechen kam, fragte er den Kanzler nach seinem Lieblingskomponisten. Raab sah den Dolmetscher hilflos an und flüsterte ihm zu: „Sagen S’ ihm halt irgendeinen!“

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Horst Ehmke, Vorstandsmitglied der SPD, kam 1970 nach Wien, um der Schwesterpartei SPÖ zu ihrem Wahlsieg zu gratulieren. Bruno Kreisky bat ihn zu einem Frühstück ins Sacher, wo Ehmke beeindruckt feststellte: „Schöne Sozialisten seid ihr, die im Sacher sitzen!“ Da replizierte Kreisky: „Naja, immerhin sitzen wir hier in der Roten Bar.“

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Eines Tages teilte Kreiskys Sekretär seinem Chef mit: „Herr Bundeskanzler, heute Nachmittag ist der Karl Schwarzenberg zu einem Besuch bei Ihnen angemeldet. Ich möchte Sie, weil Sie ihn immer als ,Prinz Schwarzenberg’ ansprechen, darauf aufmerksam machen, dass sein Onkel Heinrich, der Chef des Hauses Schwarzenberg, vorige Woche verstorben ist. Damit hat Kari seine Stellung als Oberhaupt der Familie übernommen, er trägt also jetzt den Titel ,Fürst’.“

Kreisky hörte sich den Hinweis in aller Ruhe an und brummte dann: „In Österreich wurde der Adel am 12. November 1918 abgeschafft. Für mich bleibt er Prinz!“

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Als der noch in Amt und Würden befindliche, schon über 70-jährige Kreisky seinen fünfjährigen Enkel Oliver fragte, was er werden wollte, wenn er einmal erwachsen sei, antwortete der Bub: „Bundeskanzler.“

Da erwiderte der Großpapa: „Das geht leider nicht. In Österreich gibt es nur einen Bundeskanzler.“

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Bruno Kreisky kam, als Regierungschef schon in Pension, zu einem Kongress nach Washington. Thomas Klestil, Österreichs damaliger Botschafter in den USA, holte ihn vom Flughafen ab und begleitete ihn, vom Chauffeur der Botschaft gefahren, in sein Hotel im Zentrum der Stadt. Als Kreisky unterwegs eine Filiale der englischen Firma Burberry entdeckte, bat er den Fahrer, kurz anzuhalten.

Der Altkanzler stieg aus dem Auto, holte einen Plastiksack aus dem Kofferraum und betrat, gemeinsam mit Klestil, das Geschäft. An der Türe fragte Kreisky den Botschafter noch schnell: „Sag, was heißt Schlapfen auf Englisch?“

Thomas Klestil flüsterte ihm das Wort ,Slippers’ zu, worauf Kreisky aus dem mitgebrachten Plastiksack ein Paar Hausschuhe hervorholte und zum Verkäufer sagte: „Ich habe vor einiger Zeit in Ihrer Filiale in London diese Schlapfen – these slippers – gekauft. Leider sind sie zu groß, könnten Sie sie umtauschen?“

In dem Geschäft herrschte sogleich rege Betriebsamkeit, im Zuge derer man sich redlich bemühte, dem alten Herrn verschiedenste Größen desselben Modells vorzuführen.

Kreisky probierte eine ganze Reihe von Hausschuhen, ging mit ihnen auf und ab und sagte nach einem guten Dutzend derartiger Versuche: „So, die da passen – these slippers fit!“

Worauf der Verkäufer entgegnete: „Sir, das sind die Hausschuhe, die Sie mitgebracht haben!“

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Wegen seiner salbungsvollen Tonart mit dem Spitznamen „Pater Rudolf“ versehen, galt Rudolf Kirchschläger neben Kardinal Franz König als große moralische Autorität des Landes. Ein deutscher Kommentator schrieb damals über Österreich: „Ein Land, in dem der Bundespräsident predigt und der Kardinal politisiert.“

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