Peru: Keiko Fujimori bei Präsidentenwahl vorn
In Peru zeichnet sich eine Stichwahl um die Präsidentschaft ab. Bei der ersten Runde am Sonntag gewann die konservative Politikerin Keiko Fujimori laut Nachwahlbefragungen die meisten Stimmen, verfehlte aber die nötigen mindestens 50 Prozent der Stimmen für einen Sieg in der ersten Runde.
Fujimori, Tochter des ehemaligen Staatschefs Alberto Fujimori, wird voraussichtlich gegen den neoliberalen Finanzexperten Pedro Pablo Kuczynski (77) antreten. Kuczynski kam nach Auszählung von 40 Prozent der Stimmen auf 24,3 Prozent, wie die Wahlbehörde ONPE am Sonntagabend (Ortszeit) bekanntgab. An dritter Stelle stand die linke Kandidatin Veronika Mendoza (35) mit 16,6 Prozent.
"Wir vertreten die Stimme der Peruaner, die die Präsenz des Staates fordern", sagte Fujimori, nach Veröffentlichung der ersten Ergebnisprognosen. Die Tochter des wegen Menschenrechtsverletzungen inhaftierten Ex-Präsidenten (1990-2000) könnte mit ihrer Partei "Fuerza Popular" laut Hochrechnungen rund 60 der 130 Abgeordnetensitze gewinnen. Kuczynski kann demnach mit bis zu 27 Parlamentariern rechnen.
Der Urnengang am Sonntag war überschattet von Vorwürfen gegen Keiko Fujimori und andere Kandidaten, sie hätten versucht, Wähler mit Geschenken zu beeinflussen. Während die Vorwürfe gegen sie und Kuczynski fallengelassen wurden, wurden neun andere Kandidaten ausgeschlossen oder zogen ihre Bewerbungen zurück.
Sieben Tote bei Angriff auf Militärpatrouille
Außerdem waren am Samstag bei zwei Angriffen im Dschungel im Landesinneren nach neuen Angaben der Behörden sieben Menschen getötet und sieben weitere verletzt worden. Die Armee vermutete die kommunistische Guerilla "Sendero Luminoso" (Leuchtender Pfad), gegen die Fujimoris Vater hart vorgegangen war, hinter den Taten.
70.000 Tote
Bei den Terroranschlägen von "Sendero Luminoso" und den Auseinandersetzungen mit staatlichen Sicherheitskräften waren zwischen 1980 und 2000 fast 70.000 Menschen ums Leben gekommen. Dem damaligen Präsidenten Fujimori (1990-2000) gelang es, die maoistische Organisation größtenteils zu zerschlagen. Er wurde aber 2009 wegen mehrfacher Menschenrechtsverletzungen zu 25 Jahren Haft verurteilt, die er noch absitzt. Er spaltet bis heute das Land, seine Tochter ging deshalb im Wahlkampf auf vorsichtige Distanz zu ihm.
"Man kann jemanden nicht danach beurteilen, was sein Vater getan hat", sagte die 18-jährige Angela Rios bei der Stimmabgabe in einer Schule in Lima. Sie hoffe, dass Fujimori "die Wirtschaft stärkt und die Bildung verbessert". "Wir wollen einen Wandel: Sicherheit für die Bürger und Sicherheit für Arbeitsplätze", sagte im selben Wahllokal der 55-jährige Wilfredo Pena, der nach eigenen Angaben den kurzzeitigen neoliberalen Regierungschef Kuzcynski wählte.
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