Politik | Ausland 08.05.2018

Ölpreis, Dollar, Handel: Was alles am Abkommen hängt

Die Investitionen in die Gas- und Ölförderung dürften nach den jahrelangen Sanktionen stark ansteigen © Bild: REUTERS/RAHEB HOMAVANDI

Wirtschaftliche Folgen: Aus für Iran-Deal würde Treibstoff-Preis weiter anheizen. Auf lange Sicht könnte der Dollar leiden

Die Aufkündigung des Atomdeals hätte Folgen, die weit über den Iran hinaus reichen:

Treibstoff

Die Ölpreise steigen derzeit ohnehin bereits kräftig. Das hat mehrere Gründe: Die weltweit starke Konjunktur erhöht die Nachfrage, zugleich verknappt die Förderobergrenze der OPEC-Staaten das Angebot. Durch die Dauerkrise in Venezuela liegt die dortige Förderung fast brach. Sollte nun auch noch der Iran Lieferprobleme bekommen, würde das den Preis weiter hochtreiben. Der Markt nahm das vorweg: Am Montag lag der Preis für ein Fass der US-Sorte WTI erstmals seit 2014 über 70 Dollar.

Bankgeschäfte

Besonders heikel ist die Lage für Finanzinstitute. Banken, die dem Iran Kredite einräumen wollten, wandelten schon bisher auf einem schmalen Grad. Ausgesetzt waren die Sanktionen nämlich nur für die EU und Drittstaaten, nicht aber für US-Personen und -Unternehmen. Viele Großbanken, die US-Töchter haben oder auf Dollar-Wechselgeschäfte angewiesen sind, ließen deshalb vorsichtshalber die Finger von Iran-Geschäften.

Dollar-Sonderstatus

Trumps Agieren könnte die USA paradoxerweise mittel- bis langfristig schwächen: „Es geht um nichts anderes als den Status des Dollar als Weltleitwährung“, analysiert die Commerzbank. Der Gedanke dahinter: Die USA verwenden ihre Währung als Hebel, um ihre eigenen Handelsverbote allen anderen Nationen aufzuzwingen: Wer Dollar-Geschäfte machen will, erhält nur die Erlaubnis, wenn er die US-Sanktionen einhält. Falls die anderen Staaten am Abkommen festhalten, würden sie künftig wohl nur die allernötigsten Transaktionen in Dollar abwickeln und tunlichst auf andere Währungen ausweichen.

Handel

Der Iran hat eine starke industrielle Basis, die allerdings hoffnungslos überaltet ist – etwa die Autofabriken des Landes. Investitionen wären dringend nötig, was an sich gute Aussichten für Österreichs Maschinen- und Anlagenbauer und Autozulieferer böte. Weil aber wegen der Banken-Probleme das Geld fehlte, blieb das Geschäft hinter den Erwartungen zurück. 2017 lieferten Österreichs Exporteure Waren und Dienstleistungen im Wert von 330 Mio. Euro in den Iran.

( kurier.at , hsp ) Erstellt am 08.05.2018