Nach Mord an Christen: UNO-Mission gefordert

Eine Person hält eine libysche Flagge in einer Menschenmenge.
Der IS enthauptete 21 Kopten. Nun wird UNO-Mandat in Libyen gefordert, Österreich ist abwartend.

Anhänger der Terrormiliz Islamischer Staat schockieren erneut mit einem grausamen Video: Es zeigt die brutale Ermordung von 21 christlichen Kopten aus Ägypten in Libyen. Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi sprach den Familien der "Märtyrer dieses brutalen Terrors" sein Beileid aus und kündigte Bestrafung an. Diese folgte auf dem Fuße: Am Montag bombardierten ägyptische Jets Stellungen der Dschihadistenmiliz in Libyen. Dabei sind offenbar 40-50 Kämpfer getötet worden. Für die Kopten wurde in Ägypten eine siebentägige Staatstrauer angeordnet.

Eine Karte, die Ägyptens Bombardierung von IS-Zielen in Libyen nach der Ermordung von 21 koptischen Christen zeigt.
Ägyptische Angriffe auf IS-Miliz in Libyen - Landkarte Libyen/Ägypten Grafik 0200-15-Terror.ai, Format 88 x 52 mm
Frankreichs Staatschef Hollande forderte zusammen mit Al-Sisi eine Sitzung des UNO-Sicherheitsrats zum Kampf gegen den IS. Malta und Italien fordern gar einen UNO-Einsatz in Libyen. "Wir müssen verhindern, dass Libyen ein gescheiterter Staat wird", sagte Maltas Premier Joseph Muscat laut "Times of Malta". "Die Zeit ist gekommen, Beschlüsse zu fassen. Die einzige Lösung wäre ein von der UNO unterstützter Einsatz, um die Sicherheit wieder zu garantieren", sagte Muscat. Ähnlicher Ansicht ist der italienische Innenminister Angelino Alfano. "Wir müssen in Libyen mit einer UNO-Mission eingreifen. Die internationale Gemeinschaft muss begreifen, dass dies für die Zukunft des Westens notwendig ist", betonte Alfano im Interview mit der römischen Tageszeitung "La Repubblica" am Montag. Italien ist bekanntlich am meisten betroffen von Flüchtlingswellen, die besonders aus Libyen in die EU strömen. Verteidigungsministerin Roberta Pinotti hatte am Sonntag berichtet, dass Rom bereit sei, bis zu 5.000 Soldaten für einen Einsatz nach Libyen zu schicken. Über die Eigenschaften der Mission will Rom mit den Partnern im Rahmen eines UNO-Mandats diskutieren. Ein Alleingang wird aber ausgeschlossen.

Österreich gibt sich hier abwartend. "Wenn es ein konkretes Mandat der Vereinten Nationen gibt, werden wir eine Beteiligung prüfen", sagte der Sprecher von Verteidigungsminister Gerald Klug. Erst, wenn ein UNO-Mandat vorliege, wäre Österreich bereit zu prüfen, ob eine Beteiligung militärisch machbar und auch sinnvoll sei, ergänzte Andreas Strobl.

"In Blut geschrieben"

Das zuvor veröffentlichte IS-Video mit dem Titel "Eine in Blut geschriebene Nachricht an die Nation des Kreuzes" war am Sonntagabend im Internet verbreitet worden. Erstmals richtete sich der IS damit direkt gegen Christen, es ist zudem die erste als Video veröffentlichte Gräueltat des libyschen Ablegers der IS-Miliz.

In dem Video ist zu sehen, wie Dutzende in Schwarz gekleidete Männer ihre Geiseln in orangen Overalls an einen Strand schleppen, der zur Mittelmeerküste gehören soll. Jeder Dschihadist führt eine Geisel, jeder hält ein Messer. Ein Sprecher in Militäruniform sagt auf Englisch: "Wir befinden uns hier südlich von Rom, im Land des Islam Libyen (...) das Meer, in dem ihr die Leiche von Scheich Osama bin Laden versteckt habt, wir schwören bei Allah, wir werden es mit eurem Blut mischen". Im Anschluss ist zu sehen, wie die Dschihadisten die Köpfe ihrer Geiseln abschneiden.

Als Gastarbeiter im Land

Die koptisch-orthodoxe Kirche hat die Tötung der Christen bestätigt. Die Opfer waren als Gastarbeiter in Libyen und "gerade auf dem Heimweg nach Ägypten, als ihr Bus von den Terroristen aufgehalten wurde", bestätigte der Generalbischof der Kirche in Deutschland, Anba Damian, der Bild. Sie waren bereits zwischen Ende Dezember und Anfang Jänner in Libyen verschwunden; in der vergangenen Woche hatte der IS erklärt, die Christen in seiner Gewalt zu haben.

Islamisten verfolgen die Kopten in der Region bereits seit Jahren mit extremer Gewalt. "Männer werden systematisch gesucht, verfolgt, ermordet! Unsere Frauen und Mädchen werden auf offener Straße attackiert, weil sie kein Kopftuch tragen", sagte Damian.

Die Verfolgung und das Martyrium verbinde die getrennten Christen untereinander, hob auch Papst Franziskus laut Kathpress hervor: "Die Ökumene des Blutes lässt nicht nach." Auch die islamische Al-Ashar-Universität in Kairo verurteilte die Tat als "barbarisch". Die US-Regierung hat die Ermordung als "feige" und "verabscheuungswürdig" bezeichnet.

Im vergangenen Oktober hatten Dschihadisten aus dem zwischen mehreren Milizen umkämpften Land dem IS die Treue geschworen. Auch in Algerien und Ägypten hat der IS mittlerweile Ableger. Die ägyptischen Anhänger verbreiteten ebenfalls bereits Enthauptungsvideos aus dem Nordsinai. Zuletzt hatte die Gruppe in Syrien einen jordanischen Piloten bei lebendigem Leib verbrannt und zwei Japaner enthauptet.

Wer sind die Kopten? Mehr dazu hier.

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