„Enthauptungsvideos waren für uns cool“
Der Australier Mubin Shaikh war überzeugter Dschihadist, lebte zwei Jahre lang in Syrien, rekrutierte neue Anhänger für die Taliban und kämpfte gegen "Ungläubige". In einem Interview mit dem deutschen Nachrichtensender N24 erklärt Shaikh, warum er dem Extremismus den Rücken kehrte und sich für einen Islamismus ohne Gewalt einsetzt.
Gegner mussten leiden
„Für uns waren Enthauptungsvideos cool“, erklärt der kanadische Staatsbürger zu Beginn des Interviews. Für Islamisten sei es es wichtig, dass Gegner leiden und gedemütigt werden. Deshalb auch die Videobotschaften und Fotos von Hinrichtungen.
"Wir waren eine Gruppe, wie eine kleine Gang. Man war wer - man hatte eine Identität." Er selbst wurde als 20-Jähriger radikalisiert, sagt er gegenüber britischen Reportern des Newsportals Liverpool Echo. „Extremisten locken junge Kämpfer mit dieser romantisch verklärten Vorstellung des Dschihad“, echauffiert er sich weiter über die Rekrutierungsmethoden der Islamisten.
Viele wollen einfach heim
Aber Shaikh ist sich sicher, ausländische Kämpfer, die zunächst voller Stolz nach Syrien fahren, sehen ihre Fehler sehr schnell ein. Wie etwa eine Gruppe aus Großbritannien, mit der er in Kontakt steht: „Sie wollen nur noch nach Hause.“ Sie hätten den Kampf in Syrien satt.
Die eigentliche Absicht, das Land vom Regime Bashar al-Assad zu befreien, stehe längst nicht mehr auf der Agenda der radikalsunnitischen Terrormiliz Islamischer Staat. Heute müssten die Briten unschuldige Syrier töten und das gegen ihren Willen.
Informant für die kanadische Regierung
Auch Shaikh sah ein, dass es falsch ist Unschuldige zu töten. "Die Islamisten haben mich 2004 gezwungen im Irak gegen die Amerikaner zu kämpfen." Aber er hatte Glück, sagt der Sohn indischer Einwanderer. Er stand kurz vor dem Absprung und konnte flüchten. Als er schließlich für die kanadische Regierung als Informant tätig war, schwor er den Dschihad gänzlich ab und wendete sich seiner Religion zu, dem Islam.
2006 vereitelte er mithilfe des kanadischen Geheimdienstes zwei größere Terroranschläge auf die kanadische Botschaft und anderen öffentlichen Gebäuden. Es sei natürlich gefährlich gewesen, sich wieder in eine Gruppe kanadischer Extremisten einzuschleusen.
Der ehemalige Dschihadist ist heute Experte für religiösen Extremismus und berät Sicherheitsbehörden. Militärschläge gegen die Terromiliz IS sind für ihn unabdingbar. „Die Mehrheit der Muslime ist bereit gegen die Extremisten zu kämpfen.“
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