Politik | Ausland
21.03.2018

Moskau gibt London Mitschuld an Vergiftung von Ex-Agent

Russischer Vertreter wirft Großbritannien "Russlandfeindlichkeit" vor. Es habe den Angriff auf Skripal vielleicht gesteuert.

Moskau hat London eine Mitschuld an der Vergiftung des früheren Doppelagenten Sergej Skripal gegeben. Entweder seien die britischen Behörden "unfähig", einen russischen Staatsbürger vor einer "Terrorattacke" auf ihrem Staatsgebiet zu schützen - oder sie hätten "direkt oder indirekt" den Angriff "gesteuert", sagte Außenamtsvertreter Wladimir Jermakow am Mittwoch in Moskau.

Er wolle allerdings "nichts und niemanden beschuldigen", betonte er.

Jermakow, der im russischen Außenministerium die Abteilung für Rüstungskontrolle leitet, bezweifelte, dass bei dem Anschlag auf Skripal ein Nowitschok-Nervengift zum Einsatz kam. Bei der Verwendung eines militärischen Gifts hätte es "unvermeidlich" viele Todesopfer am Tatort gegeben, sagte er. "Aber das Bild, das sich in Salisbury bietet, ist ein ganz anderes."

Jermakow äußerte sich bei einem von der russischen Regierung anberaumten Treffen, bei dem Moskau vor ausländischen Diplomaten seine Sicht auf den Fall Skripal darlegte. Als ihn ein britischer Diplomat auf mögliche russische Chemiewaffenprogramme ansprach, warf der ranghohe Ministeriumsvertreter Großbritannien "Russlandfeindlichkeit" vor. "Legen Sie ihre Russophobie ein bisschen ab, ihre Inselmentalität", sagte er.

Die britische Regierung macht Russland für den Giftanschlag auf Skripal und seine Tochter Julia am 4. März in Salisbury verantwortlich und geht davon aus, dass dabei ein Gift der Nowitschok-Gruppe aus sowjetischer Produktion zum Einsatz kam. Russland weist dies von sich und bestreitet auch die Herstellung von Nowitschok.

Auch der EU-Gipfel wird sich am Donnerstag mit dem Giftanschlag befassen. Es wird erwartet, dass die Staats- und Regierungschefs wie die Außenminister am Montag Großbritannien ihre Solidarität bekunden werden, eine geplante Erklärung aber keine direkte Schuldzuweisung an Russland enthalten wird.

Neu im Vergleich zur Ministererklärung ist nach einem Entwurf der Gipfelerklärung, dass sich die Mitgliedstaaten "zu den Folgen abstimmen, die im Lichte der von der russischen Regierung gelieferten Antworten gezogen werden sollten". Ein deutscher Regierungsvertreter sagte aber am Mittwoch, der Schwerpunkt der Gespräche werde nicht auf möglichen Sanktionen liegen.

Zudem wollen die Staats- und Regierungschefs laut Entwurf eine bessere Vorbereitung auf Angriffe mit Bio-, Chemie- oder Atomwaffen fordern. Auch eine stärkere Zusammenarbeit gegen Cyberangriffe wird angemahnt.