© APA/AFP/ANP/REMKO DE WAAL

Politik Ausland
07/07/2021

Mordanschlag auf niederländischen Investigativjournalisten sorgt für Entsetzen

Vieles weist darauf hin, dass der Anschlag auf Peter de Vries (64) in direktem Zusammenhang mit dem jüngsten Fall des Reporters steht

Peter de Vries wusste, wie gefährlich er lebte. „Er hat sein Leben lang an der Schusslinie des Strafrechts operiert“, wird ein Kollege von ihm zitiert. De Vries ist einer der bekanntesten Kriminalreporter in den Niederlanden. In der Vergangenheit stand der renommierte Journalist wegen Morddrohungen nach Recherchen in brisanten Fällen bereits unter Polizeischutz. Unter anderem moderierte De Vries die Sendung „Opsoring Verzocht“ („Untersuchung angefordert“), die man etwa mit „Aktenzeichen XY“ vergleichen kann. Auch international hat er einen Namen, seit er 1987 ein Buch über die Entführung von Bierbrauer Freddy Heineken geschrieben hat.

Doch auch neben seiner Arbeit als Journalist und Autor bewegte sich der 64-Jährige viele jahrzehntelang auf gefährlichem Terrain. Immer wieder betreute er wichtige Kronzeugen in Prozessen rund ums organisierte Verbrechen. Auch zuletzt, als er als Vertrauensperson des Kronzeugen Nabil B. in einem Prozess gegen einen mutmaßlichen Drogenboss tätig war. Die im März eröffnete Verhandlung wird von strengen Sicherheitsvorkehrungen begleitet, seit 2019 der Anwalt des Kronzeugen, Derk Wiersum, auf offener Straße erschossen wurde.

Mehrere Schüsse

Ein Zusammenhang zu der Attacke auf De Vries liegt nahe, ist aber nicht erwiesen. Am Dienstagabend erwischte es auch ihn, nachdem er beim niederländischen TV-Sender RTL bei einer Livesendung aufgetreten war. Als er gegen 19.30 Uhr das Gebäude in der Amsterdamer Innenstadt verließ, wurde mehrmals auf ihn geschossen. Zeugen hörten zumindest fünf Schüsse – eine Kugel traf den Journalisten in den Kopf. Seither kämpfte der Familienvater um sein Leben. „Gestern ist der schlimmste Albtraum Wirklichkeit geworden“, schrieb Royce de Vries, der Sohn des Reporters, am Mittwoch auf Twitter.

Tatverdächtige festgenommen

Wenige Stunden nach der Tat wurden drei Männer festgenommen. Zwei sind dringend tatverdächtig: ein 35-jähriger Pole, wohnhaft im Ort Maurik im Südosten des Landes, sowie ein 21 Jahre alter Rotterdamer, schreibt die Polizei auf der Homepage. Beide sollen am Freitag dem Haftrichter vorgeführt werden. Bei Hausdurchsuchungen seien Computer und Munition sichergestellt worden.

Die Tat sorgt im In- und Ausland für Entsetzen. Der niederländische Regierungschef Mark Rutte zeigte sich auf einer Pressekonferenz in Den Haag schockiert: „Das ist ein Angriff auf einen mutigen Journalisten und damit ein Angriff auf die Pressefreiheit.“ Alle 17 Millionen Niederländer fühlten nun mit der Familie, so Rutte. In dem Land gilt De Vries als Symbol für den Kampf gegen das Verbrechen.

Das Komitee zum Schutz von Journalisten fordert Aufklärung, ob De Vries aufgrund seiner Arbeit angegriffen wurde. „Es ist erschreckend, wie die Gewalt gegen Medienschaffende zunehmend steigt und die Unterdrückungsmethoden immer brutaler werden“, so Rubina Möhring von Reporter ohne Grenzen.

Am Tatort wie im Internet zeigen sich die Menschen bestürzt. „Halte durch, Peter“ wird geschrieben.

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