Politik | Ausland
17.11.2018

Migranten-Karawane kommt kurz vor der US-Grenze ins Stocken

Tausende Menschen hingen am Freitag in Mexiko in den Städten Mexicali und Navojoa fest.

Tausende Kilometer durch Flüsse, Wälder und Wüsten haben die Migranten aus Mittelamerika bereits zurückgelegt, doch kurz vor dem Ziel USA kommt die Karawane ins Stocken. Tausende Menschen hingen am Freitag in Mexiko in den Städten Mexicali und Navojoa fest, wie ein Sprecher der Organisation Pueblo sin Fronteras (Volk ohne Grenzen) der Deutschen Presse-Agentur sagte.

Die Mittelamerikaner sind auf dem Weg in die Grenzstadt Tijuana, wo sie sich den etwa 2.000 bereits eingetroffenen Migranten anschließen wollen. "Ich will in die Vereinigten Staaten. Ich möchte einen Termin, um politisches Asyl beantragen zu können", sagte der Honduraner Franklin Barahona.

Die Menschen aus Mittelamerika fliehen vor der bitteren Armut und der Gewalt durch Jugendbanden in ihrer Heimat. Die sogenannten Maras erpressen Schutzgeld, kontrollieren ganze Stadtviertel und zwangsrekrutieren Jugendliche.

Tausende beantragten Asyl

Die Bearbeitung der Asylanträge könnte allerdings Monate dauern. Bereits jetzt haben sich im Raum Tijuana über 6.000 Menschen um einen Termin bei den US-Behörden beworben, um Asyl zu beantragen. Und täglich kommen neue hinzu.

"Sie sind in mein Haus eingedrungen und haben mich geschlagen. Die haben meine Frau und meine Schwägerin bedroht", sagte ein Familienvater aus der mexikanischen Unruheprovinz Michoacan. "Wir hatten Angst um unsere Kinder und haben uns deshalb entschieden, nach Tijuana zu kommen."

Angesichts der Tausenden ankommenden Migranten befürchtet die mexikanische Regierung allerdings, dass einige die Geduld verlieren und gewaltsam die Grenze durchbrechen könnten. "Wir sind sehr besorgt, dass es an der Grenze zu einem Vorfall kommen könnte, bei dem Menschen verletzt werden", sagte Innenminister Alfonso Navarrete.

Arbeiter verlegten auf der US-Seite Stacheldraht auf dem Grenzzaun, wie die Zeitung "The San Diego Union-Tribune" berichtete. Unterdessen traf sich der Leiter des US-Grenzschutzes, Kevin McAleenan, am Grenzübergang San Ysidro mit Vertretern der mexikanischen Bundespolizei, um über den Umgang mit den Migranten zu beraten.

Trump sprach von "Invasion"

US-Präsident Donald Trump hatte zuletzt immer wieder betont, die Migranten nicht ins Land lassen zu wollen. Er sprach von einer "Invasion" und ließ Soldaten an die Grenze verlegen, um die Menschen zu stoppen. Insgesamt sind etwa 9.000 Migranten in verschiedenen Gruppen auf dem Weg in die USA.

"Was wollen wir nicht? Dass die Gewalt eine Eigendynamik entwickelt und Leute versuchen, spontan und ungeordnet in die Vereinigten Staaten zu kommen", sagte Navarrete. Er warnte vor den "extrem feindseligen Reden und Aktionen gegen illegale Einwanderung in den USA".

Während sich auf der Wanderung durch Mexiko noch viele Menschen mit den Migranten solidarisiert hatten, drohte in Tijuana die Stimmung zu kippen. "Diese Leute kommen mit einem aggressiven Plan, sie sind unverschämt und fordern die Sicherheitskräfte heraus", sagte Tijuanas Bürgermeister Juan Manuel Gastelum in einem Interview des Fernsehsenders Milenio. "Ich will nicht sagen, dass alle Migranten so sind, aber einige sind Landstreicher, Kiffer, sie greifen die Bewohner an."