Politik | Ausland
25.05.2018

MH17-Abschuss: Russland wirft Ermittlern Einseitigkeit vor

Russland solle international diskreditiert werden. Niederlande und Australien machen Russland verantwortlich.

Das russische Außenministerium weist die jüngst erhobenen neuerlichen Anschuldigungen, für den Abschuss der Malaysischen Passagiermaschine MH17 über der Ukraine verantwortlich zu sein, als "unbegründet" zurück. Es unterstellt den Ermittlern Voreingenommenheit und Einseitigkeit, mit dem Ziel, Russland in den Augen der internationalen Gemeinschaft zu diskreditieren.

Die vom Joint Investigation Team (JIT) präsentierte Version der Ereignisse, wonach die Buk-Rakete von Russland aus abgeschossen worden sei und zur russischen Brigade 53 gehöre, sei "bedauerlich", schreibt das russische Außenministerium in einer Stellungnahme von Donnerstagabend. "Das ist ein Fall von unbegründeten Anschuldigungen mit dem Ziel, unser Land in den Augen der internationalen Gemeinschaft zu diskreditieren", wird betont.

Informationen von Bellingcat

"Natürlich wurden keine Beweise präsentiert, mit Ausnahme eines visuell bemerkenswerten Videos, das auf Daten basiert, die von 'Bellingcat'-Bloggern fabriziert wurden", heißt es weiter. Diese Blogger hätten schon früher Fakten verdreht, um die Hypothese zu untermauern, dass Russland in den Abschuss des Flugzeuges involviert sei. Es sei zudem verwirrend, dass diese Theorie gerade zu einem Zeitpunkt vorangetrieben werde, zu dem Russland die Überprüfung der Anfragen der niederländischen Ermittler noch nicht abgeschlossen habe.

Das Recherchenetzwerk Bellingcat hat nach eigenen Angaben einen mutmaßlichen Hauptverantwortlichen für den Abschuss von Passagierflug MH17 im Juli 2014 identifiziert. Es handle sich um einen hohen russischen Offizier, berichtete Bellingcat am Freitag in Den Haag. Der Offizier sei 2014 in der Ostukraine verantwortlich für den Transport der Luftabwehrrakete vom Typ Buk von und nach Russland gewesen.

"Wir halten fest, dass das Material, das bei der Pressekonferenz vorgewiesen wurde, einen bedeutenden Teil der Informationen ignoriert, die von Russland zur Verfügung gestellt wurden", heißt es weiter. So sei etwa nichts über die Hilfe während der Untersuchungen erwähnt worden. Die Menschen hinter der jüngsten Präsentation hätten auch vergessen zu erwähnen, dass Russland niederländische Experten und Ermittler in Moskau beherbergt sowie technische Daten der Buk-Rakete und Ergebnisse eines umfangreichen Tests der Rakete durch den Hersteller übergeben habe.

Russland habe an die niederländischen Ermittler auch Rohdaten der Radarüberwachung des Luftraumes zum Zeitpunkt der Tragödie zukommen lassen. Diese entscheidenden Informationen seien sehr umfangreich und gänzlich objektiver Natur, wird betont. "Leider hat das die Ausrichtung der Untersuchung überhaupt nicht geändert".

"Auf Basis der Radaraufzeichnungen können die Erkenntnisse der unbekannten von den Ermittlern engagierten Experten nicht anders als 'absolut unhaltbar' bezeichnet werden", heißt es. "Unter diesen Umständen haben wir legitime Fragen zu den wahren zugrunde liegenden Motiven des JIT, vorläufige Schlussfolgerungen zu veröffentlichen". All dies bestätige nur die bereits früher geäußerten Bedenken über die Voreingenommenheit und Einseitigkeit der laufenden Untersuchung. Nichtsdestotrotz werde Russland weiterhin Hilfestellungen bieten, damit die Wahrheit über den Absturz des Fluges MH17 festgestellt und die wahren Täter vor Gericht gebracht werden können.

Niederlande machen Russland verantwortlich

Die Niederlande und Australien haben Russland für den Abschuss von Flug MH17 über der Ukraine verantwortlich gemacht. Beide Länder "machen Russland für seine Beteiligung an dem Abschuss verantwortlich", erklärte die niederländische Regierung am Freitag.

Am Vortag hatte das Ermittlerteam zum MH17-Abschuss einen neuen Bericht vorgelegt und die eingesetzte Rakete erstmals einer russischen Militärbrigade zugeordnet. Die Erklärung der niederländischen Regierung könnte nun auch gerichtliche Schritte zur Folge haben.

Flug MH17 war am 17. Juli 2014 auf dem Weg vom Amsterdamer Flughafen Schiphol nach Kuala Lumpur über der Ostukraine abgestürzt. Unter den 298 Insassen waren 196 Niederländer und 39 Australier.

Die von den Niederlanden geleitete internationale Untersuchungskommission kam nun zu dem Schluss, dass die Rakete vom Typ Buk-Telar, mit der die Passagiermaschine von Malaysia Airlines vor fast vier Jahren abgeschossen wurde, von der 53. Flugabwehrbrigade im russischen Kursk "stammte", wie der Ermittler Wilbert Paulissen am Donnerstag in Utrecht bekannt gab. "Die 53. Brigade ist Teil der russischen Streitkräfte", fügte der Niederländer hinzu.

Die ukrainische Regierung und der Westen vermuten schon lange, dass prorussische Rebellen das Flugzeug mit einer aus Russland stammenden Boden-Luft-Rakete abgeschossen haben. Moskau sieht die Verantwortung dafür hingegen bei der ukrainischen Armee. Diese hatte ebenfalls Raketen russischer Bauart in ihren Beständen.