Umfrage: Österreicher sind keine EU-Raunzer mehr
Hat sich der Österreicher vom EU-Raunzer zum glühenden Europäer gewandelt? Offenbar ja: Österreicher und Deutsche bilden neben Maltesern, Luxemburgern und Finnen das Spitzenfeld in der Frage, wie weit sie sich als Bürger der Europäischen Union fühlen. "Das sind Spitzenwerte, wie wir sie nie hatten", analysierte Richard Kühnel, Leiter der EU-Kommissionsvertretung in Deutschland, am Mittwoch in Berlin die Zahlen des jüngsten Eurobarometers.
Rekord für Österreich
Der Zuwachs an Europagefühl bedeutet vor allem für Österreich einen Rekord. Auf die Frage, ob sie sich als Bürger der EU fühlten, antworteten 77 Prozent der Österreicher mit Ja. Das ist ein Plus von 14 Prozent im Vergleich zum vorigen Eurobarometer. "Ich freue mich enorm darüber", sagte Kühnel zur APA in Berlin. Kühnel ist selbst Österreicher und war bis zu seiner Berufung nach Berlin vor zwei Monaten der Leiter der EU-Kommissionsvertretung in Wien.
" Österreich galt immer eher als Volk der Europa-Raunzer und hat jetzt in die Spitzenliga aufgeschlossen", so Kühnel. Mit ihren 77 Prozent liegen die Österreicher direkt hinter den Deutschen (79 Prozent).
Auch die Deutschen haben damit in der Frage der europäischen Identität kräftig zugelegt, nämlich um sechs Prozent. Ebenfalls sechs Prozent beträgt der Zuwachs im Durchschnitt aller 28 EU-Länder, allerdings auf deutlich niedrigerem Niveau. Denn im Gesamtdurchschnitt der EU28 fühlen sich nur 65 Prozent als Europäer.
Jeder zweite Brite fühlt sich als EU-Bürger
Weit unter diesem Durchschnitt sind die Bulgaren und Italiener gelandet. Dass sich immerhin 52 Prozent der Briten als EU-Bürger fühlen, ist selbst für Kühnel eine Überraschung.
Am weitesten verbreitet ist das EU-Gefühl unter den Bürgern auf Malta (87 Prozent), in Luxemburg (85), Finnland (79), Deutschland (79) und eben Österreich (77). Schlusslichter sind Griechenland (49), Italien (47) und Bulgarien (46).
Nach der Krise
Gefragt nach den Gründen für den sprunghaften Zuwachs in Österreich, meinte Kühnel: Nach der Krise verbesserten sich die Werte deutlich. In den Jahren der Krise und besonders in den vergangenen Monaten habe eine sehr geballte Wahrnehmung der EU das Bewusstsein verstärkt, Teil dieser EU zu sein. Auch die intensive mediale Berichterstattung, wenn auch nicht immer positiv, habe einen nachhaltigen Effekt gezeigt.
Abgesehen von der Krise hätten auch der Europawahlkampf, die Aktivitäten der Kandidaten des Europaparlaments und vor allem der Spitzenkandidaten das Bewusstsein als Europäer geschärft.
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