Politik | Ausland
26.07.2018

Mehr als 220 Tote bei verheerendem IS-Angriff in Syrien

Unter den Toten der konzertierten Anschlagsserie im Süden Syriens waren 127 Zivilisten und 94 Kämpfer der Regierungstruppen.

In Syrien sind bei einem der folgenschwersten Angriffe der Jihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) seit Beginn des Bürgerkriegs laut Aktivisten mindestens 221 Menschen getötet worden. Unter den Toten der konzertierten Anschlagsserie am Mittwoch im Süden Syriens waren 127 Zivilisten und 94 Kämpfer der Regierungstruppen, teilte die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit.

Die Jihadisten hätten ihrerseits 38 Kämpfer verloren, darunter sieben Selbstmordattentäter. Der IS bekannte sich zu den Anschlägen. Alleine in der Stadt Sweida (Al-Suwaida) hätten sich vier Attentäter in die Luft gesprengt, berichtete die Beobachtungsstelle. Später hätten weitere Selbstmordattentäter und Kämpfer Dörfer nördlich und östlich der Provinzhauptstadt gestürmt. Für Medien sind die Angaben der oppositionsnahen Organisation mit Sitz in London kaum zu überprüfen.

Verteidigung der Dörfer

Die meisten der bei den IS-Angriffen am Mittwoch getöteten Kämpfer auf Seiten der Regierung waren laut der Beobachtungsstelle Einwohner, die zur Verteidigung ihrer Dörfer zu den Waffen gegriffen hatten. Die Bevölkerung von Sweida gehört zumeist zur Minderheit der Drusen, die sich weitgehend aus dem Bürgerkrieg herausgehalten hat.

Die IS-Miliz reklamierte die Anschläge auf dem Kurzmitteilungsdienst Telegram für sich. "Soldaten des Kalifats" hätten in Sweida Kontrollposten und Gebäude der Regierung angegriffen und Sprengstoffgürtel gezündet, hieß es.

Syrische Staatsmedien bestätigten, dass es Tote und Verletzte in Sweida und den umliegenden Dörfern gegeben habe, nannten aber keine Zahl. Die Armee startete demnach eine Gegenoffensive, um die IS-Kämpfer zurückzudrängen.

Unvermeidliches Ende

Die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana schrieb, die Angriffe in Sweida seien ein Versuch gewesen, den Druck von den IS-Kämpfern in der Nachbarprovinz Deraa zu nehmen, "die ihrem unvermeidlichen Ende entgegengehen". Die nach Schätzungen rund tausend IS-Kämpfer in der Region westlich von Sweida sind seit Tagen heftigen Luftangriffen russischer und syrischer Kampfflugzeuge ausgesetzt. Auch am Mittwoch wurden neue Angriffe gemeldet.

Die Truppen von Machthaber Bashar al-Assad haben die IS-Miliz in den vergangenen Monaten aus ihren Hochburgen im Osten des Landes vertrieben. Doch verfügt die Jihadistengruppe weiter über Rückzugsgebiete in der Wüste, immer wieder verübt sie Anschläge auf die Regierungstruppen.

Gegenseitige Anschuldigungen

Nach Angaben der Beobachtungsstelle wurden bei der Offensive in Deraa seit dem 19. Juli mindestens 41 Zivilisten, 67 Jihadisten und 49 Kämpfer der Regierungstruppen getötet. Am Dienstag meldete Israel den Abschuss eines syrischen Kampfflugzeugs im israelischen Luftraum. Damaskus warf dem Nachbarn dagegen vor, einen Kampfjet über syrischem Territorium beschossen zu haben, der Luftangriffe auf die Dschihadisten geflogen habe.

In den vergangenen Wochen war es den Truppen Assads mit einer Mischung aus Verhandlungen und militärischem Druck gelungen, die meisten Rebellengebiete in Deraa und der angrenzenden Provinz Quneitra wieder unter ihre Kontrolle zu bringen. Die Rückeroberung von Deraa ist für Assad von großer symbolischer Bedeutung, da dort im März 2011 die Proteste gegen ihn begonnen hatten, die sich später zum Bürgerkrieg ausweiteten.