President Barack Obama waves on the South Lawn of the White House in Washington, on Sunday, July 7, 2013, as he returns from the presidential retreat of Camp David, Md. (AP Photo/Jacquelyn Martin)

© Deleted - 872937

Medienberichte
07/09/2013

Obama überlegt vollständigen Afghanistan-Abzug

Das Weiße Haus hat allerdings bestritten, dass eine Entscheidung darüber bevorstehe.

US-Präsident Barack Obama erwägt einem Zeitungsbericht zufolge einen vollständigen Abzug aller US-Soldaten aus Afghanistan im kommenden Jahr. Diese Option sei nach jüngsten Spannungen mit der afghanischen Führung wahrscheinlicher geworden, berichtete die New York Times am Dienstag. Unter Berufung auf ungenannte amerikanische und europäische Quellen schrieb das Blatt, dass damit dann auch die geplante NATO-Mission nach 2014 unwahrscheinlich würde. Das Weiße Haus bestritt, dass eine Entscheidung darüber bevorstehe.

Bei einem vollständigen US-Abzug würde nach Darstellung der Zeitung auch Deutschland - das bis zu 800 Soldaten nach 2014 in Aussicht gestellt hat - alle Truppen zurückholen. Kleinere Staaten wären vermutlich nicht mehr aus eigener Kraft zu einem Einsatz in der Lage. Der Kampfeinsatz der NATO-geführten Internationalen Schutztruppe ISAF läuft Ende 2014 aus. Danach soll nach derzeitigen Plänen ein neuer, deutlich kleinerer NATO-Einsatz zur Ausbildung und Unterstützung der afghanischen Sicherheitskräfte anschließen.

Spannungen mit Karzai

Bei einer Video-Konferenz Obamas mit dem afghanischen Präsidenten Hamid Karzai sei es Ende Juni erneut zu Spannungen gekommen, berichtete die New York Times. Karzai habe Obama darin direkt vorgeworfen, einen separaten Frieden mit den afghanischen Taliban und ihren Unterstützern in Pakistan aushandeln zu wollen und die afghanische Regierung damit ihren Feinden auszuliefern. Obama habe auf die zahlreichen Amerikaner verwiesen, die ihr Leben dabei verloren hätten, Karzais Regierung zu stützen.

Die Spannungen zwischen Washington und Kabul haben sich verschärft, seit die afghanischen Taliban im vergangenen Monat ein Verbindungsbüro im Golf-Emirat Katar eröffneten, um Friedensverhandlungen mit den USA zu führen. Karzai verlangt, dass die Aufständischen mit seiner Regierung verhandeln. Die Taliban lehnen das ab, weil sie Karzai und seine Regierung für Handlanger der Amerikaner halten. Karzai setzte nach der Eröffnung des Büros die Verhandlungen über ein Sicherheitsabkommen mit den USA aus.

Das Abkommen ist Voraussetzung für einen internationalen Einsatz nach 2014. Zentraler Bestandteil ist das Truppenstatut, das amerikanische Soldaten vor afghanischer Strafverfolgung schützt und Blaupause auch für die NATO-Staaten sein soll. Weil ein solches Truppenstatut im Irak nicht zustande kam, zogen die USA 2011 alle ihre Soldaten aus dem instabilen Land ab. Die afghanischen Sicherheitskräfte sind nach Einschätzungen von Experten auch nach 2014 auf internationale Unterstützung angewiesen.

"Aufs und Abs"

Der amerikanische Regierungssprecher Jay Carney räumte am Dienstag ein, dass es in den Verhandlungen beider Länder manchmal "Aufs und Abs" gebe. Washington habe aber bereits im Jänner öffentlich verkündet, auch einen kompletten Abzug aller Truppen als eine der möglichen Optionen für die Zeit nach 2014 anzusehen. "Es steht aber keine Entscheidung dazu bevor", sagte Carney.

Indessen kam es in Kandahar zu einem blutigen Zwischenfall. Erneut feuerte ein Afghane in Uniform auf ausländische Soldaten. Dabei tötete der afghanische Soldat am Dienstag einen slowakischen Ausbilder und verletzte sechs weitere, wie der slowakische Verteidigungsminister Martin Glvac in Bratislava mitteilte. Nach Angaben der internationalen Schutztruppe ISAF wurde der Angreifer festgenommen. In ersten internationalen Medienberichten war irrtümlich von einem Anschlag auf tschechische Soldaten die Rede gewesen.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.