Politik | Ausland
23.06.2018

Malta ruft Rettungsschiff zum Verlassen der Gewässer auf

Ministerpräsident Joseph Muscat: Schiff der Organisation Lifeline hat sich nicht an die Regeln gehalten.

Maltas Ministerpräsident Joseph Muscat hat am Samstag das Schiff "Lifeline" der Organisation Mission Lifeline aus Dresden aufgefordert, die maltesischen Gewässer zu verlassen. Die "Lifeline" habe sich nicht an die Regeln gehalten.

Die Rettung der Migranten sei nicht in Maltas Gewässern erfolgt, dennoch habe das Land humanitären Beistand geleistet, um eine kranke Person an Bord der "Lifeline" zu versorgen. Die Crew teilte mit, dass sie Proviant für die rund 230 Migranten an Bord des Schiffes benötige.

Die italienische Küstenwache teilte indes mit, dass Schiffe, die in libyschen Gewässern Migranten zur Hilfe eilen, die libysche Küstenwache verständigen müssen. Innenminister Matteo Salvini hatte die italienische Küstenwache und die Marine aufgefordert, ihren Aktionsradius einzuschränken und mit ihren Schiffen näher an Italiens Küste zu patrouillieren.

Das deutsche Schiff harrte am Samstagabend auf dem Mittelmeer aus. "Italien anlaufen - das können sie vergessen!", schrieb Salvini von der fremdenfeindlichen Lega-Partei am Samstag auf Facebook. "Ich will dem Geschäft der Schlepper und der Mafia ein Ende setzen." Italien wirft der "Lifeline" sowie dem Schiff "Seefuchs" der deutschen Hilfsorganisation Sea-Eye vor, ohne rechtliche Grundlage unter niederländischer Flagge zu fahren. Die Organisationen weisen dies zurück. Zudem beschuldigt Italien Nichtregierungsorganisationen generell, mit Schleppern unter einer Decke zu stecken.

Rom wirft den Helfern auf der "Lifeline" vor, gegen internationales Recht verstoßen zu haben, als die vor der libyschen Küste Flüchtlinge an Bord nahmen, obwohl bereits die libysche Küstenwache im Einsatz gewesen sei.

Mission Lifeline: Gespräche mit mehreren Ländern

Das Schiff warte auf eine diplomatische Lösung, sagte Axel Steier von der Organisation Mission Lifeline am Samstag. Auf der Suche nach einem Hafen liefen Gespräche mit mehreren Staaten, die die Flüchtlinge an Bord aufnehmen könnten. Am Sonntag werde eine Versorgungslieferung aus Malta erwartet, um Decken, Medikamente und Nahrung für die 230 Flüchtlinge an Bord zu bringen.

Steier betonte, die Papiere des Schiffes seien in Ordnung. Er fürchte eine ähnliche Situation wie bei dem Flüchtlings-Hilfsschiff "Aquarius", das vor einer Woche tagelang mit 630 Flüchtlingen an Bord über das Mittelmeer geirrt war, nachdem Italien ihm das Anlaufen seiner Häfen verweigert hatte. Die "Aquarius" konnte schließlich im spanischen Valencia anlegen.

Dänische Reederei rettet Flüchtlinge

Die dänische Reederei Maersk Line berichtete unterdessen, eines ihrer Containerschiffe habe nahe der italienischen Küste 113 Flüchtlinge aus Seenot gerettet. Die Besatzung der "Lifeline" half dabei, die Flüchtlinge von einem Schlauchboot an Bord des Containerschiffs zu bringen.

Die spanische Seenotrettung brachte bei drei Rettungseinsätzen am Samstag insgesamt 569 Menschen in Sicherheit. Vor der libyschen Küste wurden nach Angaben der libyschen Marine fast 200 Flüchtlinge gerettet, fünf Menschen ertranken.

Wegen des guten Wetters nahm die Zahl der Flüchtlinge von Libyen aus in den vergangenen Wochen wieder zu.