Politik | Ausland
22.06.2018

Mafia-Kritiker über Salvini: "Minister der Unterwelt"

Bestseller-Autor Roberto Saviano ("Gomorrha") © Bild: AP/Luca Bruno

Nachdem Italiens Innenminister den Polizeischutz für Aufdecker Saviano in Frage stellte, unterstellt dieser Salvini Mafia-Kontakte.

Kein Polizeischutz mehr für Italiens prominentesten und international bekannten Mafia-Aufdecker. Italiens Innenminister Matteo Salvini ließ mit einer Ankündigung aufhorchen und sorgte für massive Proteste. Jetzt aber schlägt Roberto Saviano - unter anderem Autor des internationalen Bestsellers "Gomorrha" - zurück. Er attackiert den Lega-Nord-Chef offen wegen der langjährigen finanziellen Verbindungen seiner Partei zum organisierten Verbrechen.

Die neue Regierung in Italien stellt also den Personenschutz für Saviano infrage. Innenminister Matteo Salvini, Chef der fremdenfeindlichen Lega, kündigte an, die zuständigen Stellen würden den Schutz auf den Prüfstand stellen. Salvini hatte in einer TV-Show gesagt, dass Saviano (38) viel im Ausland sei und dass generell geprüft werden müsse, wofür das „Geld der Italiener“ ausgegeben werde.

Saviano, der mit seinen Veröffentlichungen über die Mafia in Neapel auch international bekannt wurde und Todesdrohungen erhielt, hat aber auch die rechten und fremdenfeindlichen Strömungen in Italien regelmäßig kritisiert. Er setzt sich für Migranten ein, die Salvini aus dem Land werfen will und hat sich so zu dessen politischem Gegner gemacht
"Statt gegen die Mafia vorzugehen, droht Innenminister Matteo Salvini denen, die von ihr erzählen, sie zum Schweigen zu bringen", erklärte Saviano am Donnerstag auf Twitter und Facebook. Salvini sei ein "Trottel" und der "Minister der Unterwelt", der mit Lügen und Drohungen Propaganda mache.

Hier das Video Savianos mit der gesamten Übersetzung von der KURIER-Rom-Korrespondentin Irene Mayer-Kilani:

"Salvini, glaubst du, ich bin glücklich, seit elf Jahren unter diesen Bedingungen zu leben? Schon länger als elf Jahre.

Ich lebe mit Polizeischutz, seit ich 26 Jahre alt bin. Aber du glaubst mich einzuschüchtern, mich bedrohen zu können."

Saviano weiter: "Ich stand in den vergangenen Jahren unter enormem Druck, von Seiten des Casalesi-Clans, von den mexikanischen Drogenbanden. Ich habe mehr Angst unter diesen Bedingungen zu leben, als zu sterben.

Und du glaubst also, dass ich vor dir Angst haben werde? Du Kasperl! Salvinis Feinde sind die Migranten, die Leute aus Süditalien, die er bis kurz vor den Wahlen stets beleidigte, seine Feinde sind die Roma und er sagt ´Die mit italienischer Staatsbürgerschaft müssen wir uns leider behalten'.

Ich bin froh zu seinen Feinden zu zählen, ich bin glücklich zu den Schwachen zu zählen, die er hasst, auf Kosten derer er politische Propaganda macht. Alles Theater, ohne eine wirkliche Antwort zu geben.

Salvini kann heute als der „Minister der Kriminalität“, ein Ausdruck von Gaetano Salvemini (Anm.: Historiker und Antifaschist) bezeichnet werden. Salvini wurde in Kalabrien gewählt. Während einer Wahlveranstaltung in Rosarno befanden sich in der ersten Reihe Leute der Pesce-Familie, ein Familienclan der ´ Ndrangheta in Rosarno. Salvini als Komplize hat kein Wort über die ´Ndrangheta verloren. Er hat gesagt, dass Rosarno international wegen seiner Barackensiedlung bekannt ist. Das wahre Problem ist, dass Rosarno seit Jahrzehnten fest in der Hand der ´Ndrnagheta ist.

Das ist Matteo Salvini. Er erinnert sich nicht an die Verbindungen zwischen Lega Nord und ´Ndrangheta. An die Geldwäsche, aufgrund einer Mediation zwischen ´Ndrangheta und Lega Nord.
Salvini spricht über Geld und dass Italiener wissen müssen, wie ihre Steuergelder verwendet werden.

Salvini sagt uns aber nicht, wo die Gelder in Höhe von 50 Millionen Euro des Riesenbetrugs  bei der Rückerstattung der Ausgaben des Wahlgeldes der Partei  hingekommen sind. Die Lega soll die Gelder, die sie genommen hat, zurückzahlen. Und dann soll der Minister reden über die Gelder der Italiener.

Ich danke allen für die Solidarität und den  Hashtag #savianononsitocca (Saviano darf nichts passieren)

Ich habe nicht vor Opferlamm zu sein, Ich werde mein Leben verteidigen und soweit es mir möglich ist, glücklich sein.
Ich habe keine Lust ein Märtyrer zu werden, zu sterben, um was zu beweisen.

Das Leben ist zu wertvoll. Heute müssen wir den Dialog anregen, nicht mit Salvini, aber mit seinen Wählern, mit jenen, die ihn unterstützen. Wir müssen mit jenen reden, denen wie mir der Ernst der Lage bewusst ist.

Wollt ihr wirklich weiterhin jemanden unterstützen, der nichts anderes tut als Drohungen auszusprechen, Propaganda und Lügen in die Welt setzt, Hass und Verachtung schürt? Aber das ist nicht unsere Republik.

Nehmen wir Salvini, nehmen wir dem Minister der Kriminalität die Möglichkeit weiterhin Hass und Lügen zu verbreiten. Wer nicht jetzt aktiv wird, wird für immer schuldig sein."