Politik | Ausland
10.07.2018

London: Kurz setzte „Geste der aktiven Versöhnung“

© Bild: BUNDESKANZLERAMT/DRAGAN TATIC

Kanzler Kurz traf in London noch in Großbritannien lebende der "Kindertransporte"

Juden in Großbritannien. Erich Reich war vier Jahre alt, als er Wien für immer verlassen musste. Der heute 83-Jährige war einer von rund 10.000 österreichischen Juden, die 1938 im Rahmen der „Kindertransporte“ nach dem Anschluss durch Nazi-Deutschland Zuflucht in Großbritannien fanden. Die Reichs warten drei Kinder. Erich verschlug es später nach Israel, als dort einer seiner Brüder mit 27 Jahren starb, kehrte er für immer nach Großbritannien zurück. Heute ist er Vorsitzender der Kindertransport-Kinder.

„Historische Verantwortung“

Er hält sich beim Empfang in der österreichischen Botschaft gestern Mittag bescheiden im Hintergrund, als sich die jüdisch-österreichische Community mit Österreichs Kanzler Sebastian Kurz trifft. Der Regierungschef nutzt die Gelegenheit, um einmal mehr eine "Geste der aktiven Versöhnung" in Richtung der 100.000 österreichischen überlebenden Opfer des Nazi-Terrors zu setzen. „Österreich hat zu spät seine historische Verantwortung übernommen“, proklamiert Kurz in seiner Rede: „Das ist eine große Bürde. Daher sollten wir alles tun, damit solche Verbrechen nie wieder passieren.“ Als Zeichen des guten Willens übergab Kurz dem Rektor der Sussex University eine Spende der Republik über 50.000 Euro zur Förderung der Forschungsarbeit des „Sussex Weidenfeld Institutes of Jewish Studies“.

Erich Reich sagt, er freue sich, dass der junge Kanzler sich bei seinem London-Trip zwischen Gesprächen von Brexit bis Balkan Zeit nimmt, diese „Geste des Gedenkens“ zu setzen. Kommenden Samstag wird er sich wieder mit seinen Kindertransport-Freunden treffen. 1100 haben sich nach einer Rundfrage 2013 noch gemeldet. Zu den monatlichen Treffen schaffen es im Moment nur noch zwischen 30 und 40 der heute Hochbetagten, die als Kinder allein fliehen mussten. Erich Reich, der inzwischen auch zum Sir geadelt wurde, ist mit seinen 83 Jahren einer der Jüngsten.