Politik | Ausland
28.05.2018

Linke Podemos vertraut auf Parteichef Iglesias

Nach dem Wirbel um einen Hauskauf spricht die Parteibasis dem Chef der jungen Partei das Vertrauen aus.

Es ist ein Haus, das Pablo Iglesias Turrion und Irene Montero beinahe die Jobs gekostet hätte. Beinahe. Die beiden überstanden nun ein internes Misstrauensvotum der spanischen Linkspartei Podemos. Es war das neue Haus des Parteichefs und der Sprecherin des Parlamentsclubs, das zu massiven parteiinternen Debatten geführt hatte.

Die beiden sind ein Paar. Irene Montero erwartet Zwillinge. Beide hatte unlängst ein 2350 Quadratmeter großes Grundstück mit einem 270 Quadratmeter großen Haus plus Pool um 600.000 Euro nahe Madrid erstanden und dafür einen 540.000 Euro schweren Kredit aufgenommen. Sie wollten ihren Kindern eine „möglichst normale Kindheit“ bieten, hatten sie gesagt. Parteiintern hatte das für Rumoren gesorgt.

Podemos war aus der linken Protestbewegung Indignados entstanden, die sich ursprünglich gegen die EU-Sparpolitik richtete, rasch aber zu einer Protestbewegung gegen die politische Struktur Spaniens wurde. In den vergangenen Jahren hatte sich die Partei als linke Alternative gegen die verkrustete, oftmals korrupte Polit-Elite des Landes etabliert.

Glaubwürdigkeit

Und seitens vieler aus der Parteibasis war nach dem Hauskauf der Parteispitze der Vorwurf laut geworden, sich eben dieser korrupten Elite anzugleichen. Als einer der lautesten hatte Jose Maria Gonzalez, Bürgermeister von Cadiz, Iglesias und Montero kritisiert: „Der ethische Kodex der Podemos ist keine Formalität“, hatte er gesagt. „Er ist ein Bekenntnis dazu, wie ein Arbeiter zu leben, sodass man diese auch repräsentieren kann.“ Iglesias und Montero stellten sich letztlich freiwillig der Vertrauensabstimmung nachdem sie eine Debatte über ihre Glaubwürdigkeit einräumten.

Die Parteibasis scheint die Glaubwürdigkeit des Duos aber mehrheitlich jedenfalls nicht angekratzt zu sehen. 68,4 Prozent votierten für den Verbleib der beidem im Parteiamt. Allerdings hatten von den rund 500.000 wahlberechtigten Parteimitgliedern nur 190.000 ihre Stimme abgegeben – womit die Wähler an den Urnen letztlich das letzte Wort haben werden. Und das könnte angesichts der politischen Krise in dem Land womöglich schon sehr bald der Fall sein.