Politik | Ausland
11.06.2018

Khamenei: Netanyahu lügt über Vernichtungsziele Irans an Juden

Irans oberster Führer nennt israelischen Premier "Oberkriminellen". Kurz: Iran wird sich mit Israel auf der Landkarte anfreunden müssen.

Der oberste Führer des Irans hat die Aussage von Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu bezüglich eines Aufrufs des Irans zur Vernichtung Israels zurückgewiesen. "Dieser Oberkriminelle hat den Europäern vorgelogen, dass der Iran Millionen von Juden vernichten will", sagte Ayatollah Ali Khamenei nach Angaben der Nachrichtenagentur Tasnim am Montag.

Der Iran sei laut Khamenei nicht antisemitisch eingestellt, würde sich aber gegen einen israelischen Angriff vehement wehren.

Bei seinem Deutschland-Besuch Anfang Juni hatte Netanyahu dem Iran vorgeworfen, zu Israels Vernichtung aufzurufen. Zuvor war ein Tweet im Namen Khameneis aufgetaucht, nach dem der iranische Führer die Vernichtung Israels forderte. Da weder Khamenei noch seine Mitarbeiter ein eigenes Twitter-Konto haben, konnte dieser Tweet nicht verifiziert werden. Die Twitter-Konten mit Khameneis Namen sind die seiner Anhänger, einige von ihnen sind auch Fakes. Die amtlichen Aussagen Khameneis, der laut Verfassung das letzte Wort in allen strategischen Belangen des Irans hat, kommen stets über die staatlichen Medien oder seine eigene Webseite.

Laut Khamenei fordert der Iran im israelisch-palästinensischen Konflikt seit Jahren ein Referendum, an dem sowohl Muslime als auch Juden mit palästinensischen Wurzeln über die Zukunft Israels und Palästinas entscheiden sollen. Diese Forderung sei auch schon seit Jahren bei der UNO als Irans Initiative für ein Ende des Konflikts registriert.

Kurz: Iran wird sich mit Israel auf der Landkarte anfreunden müssen

Auch beim Treffen von Sebastian Kurz mit Benjamin Netanyahu kamen die israelischen-iranischen Beziehungen zur Sprache. Das Thema Iran sei zwischen ihm und Netanyahu "sehr offen angesprochen worden", berichtete Kurz. Er wiederholte, dass er anders als der israelische Premier das Atomabkommen unterstütze. Gleichzeitig zeigte er auch in dieser Frage Verständnis für Israel. "Israel wird auf der Landkarte bleiben und der Iran wird sich damit anfreunden müssen".

Israel ist der Erzfeind Nummer eins des Irans und der Zerfall Israels und die Befreiung Palästinas sind seit fast 40 Jahren die außenpolitische Doktrin des Landes. Zwar soll diese Feindseligkeit offiziell nur politisch und gegen die israelische Regierung gerichtet sein, aber die Aussagen einiger iranischer Politiker und Generäle grenzen häufig an Antisemitismus.

Besonders heftig war Irans Anti-Israel-Politik während der achtjährigen Präsidentschaft (2005-2013) des Hardliners Mahmoud Ahmadinejad. Der sprach nicht nur offen von der Vernichtung Israels, sondern stellte auch immer wieder den Holocaust infrage. Zwar hat sich Hassan Rouhani in den letzten fünf Jahre von den Aussagen Ahmadinejad distanziert, aber auch der jetzige Präsident ist für ein Ende des israelischen Staates.