© Konrad Kramar

Südtirol
08/27/2013

Kein Italienisch: Streit um Wegweiser

Der Schilderstreit um zweisprachige Bezeichnungen bei Seen, Gipfeln und Hütten sorgt für neue Verstimmung zwischen Bozen und Rom.

Finailsee, Mittagscharte, Schwarze Wand: Die italienischen Bezeichnungen wie Lago di Finale, Forcella Mezdì und Croda Nera werden gelöscht. Südtirol will 135 italienische Namen bei Seen, Gipfeln, Hütten und Wanderwegen streichen und sie künftig einsprachig anführen.

Dies wurde zwischen Südtirols Landeshauptmann Luis Durnwalder und Regionalminister Graziano Delrio vereinbart. Der „geheime Vorstoß“ der Provinz Bozen sorgt für Kritik. „Delrio gibt unsere italienische Sprache zum Ausverkauf preis. In den Dolomiten spricht man ab sofort nur Deutsch“, ärgert sich die rechtskonservative Tageszeitung Il Giornale. Das Abkommen sorgt auch bei Vertretern der Demokratischen Partei (PD) und der Mitte-rechts-Partei „Volk der Freiheit“ (Pdl) in Bozen für Verstimmung. „Wir machen einen schlechten Eindruck, denn über dieses Vorhaben wurde nie diskutiert“, sagt die Bozener PD-Vizeparteisekretärin Daniela Rossi. Pdl-Gemeinderat Enrico Lillo meint dazu: „Das sind die üblichen Geheimtreffen der Südtiroler Volkspartei, die über die Köpfe der italienischsprachigen Bevölkerung Entscheidungen trifft.“

Die Südtiroler Volkspartei (SVP) wollte den Schnellschuss, mit dem sie dem Wunsch der Bevölkerung nach deutschen Namen entgegenkommt, als „Lappalie“ abtun: Die Namen seien Südtiroler Kulturgut.

Ärger in Rom

Forcella del Santo scheint nur mehr unter Bildstöckeljoch, Malga Zirago unter Zirogalm auf. „Das ist die Macht der Politik, wo ein Handschlag ausreicht, um symbolträchtige Plätze und Ferien-Erinnerungen auszulöschen“, bedauert die linksliberale La Repubblica.

Der Schilderstreit ist ein heikles Thema: 2009 kam es zum Aufschrei italienischsprachiger Touristen, die plötzlich nur deutschsprachige Wegweiser vorfanden. Der Alpenverein hatte 60, nur noch deutschsprachige Wegweiser in Südtiroler Wandergebieten aufgestellt. Es hagelte Kritik, der Alpenverein würde die Geldquellen aus Brüssel und Rom ignorieren.

2010 kam es zum Pakt zwischen dem damaligen Regionalminister Raffaele Fitto und Landeshauptmann Luis Durnwalder. Demnach müssen Orte und Gemeinden, aber auch große Berge und Flüsse zweisprachig sein. Aber Flurnamen von Wiesen, Wäldern, Almen, die geschichtlich gewachsen sind, dürfen allein auf Deutsch angeführt werden.

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