Politik | Ausland
26.08.2017

Katalanische Separatisten nutzen Anti-Terror-Demo in Barcelona

Eine halbe Million Menschen demonstriert eine Woche nach Anschlägen gegen den Terror. Zahlreiche Demonstranten pfeifen dabei König Felipe und Ministerpräsidenten Mariano Rajoy aus.

Neun Tage nach den islamistischen Anschlägen von Barcelona haben am Samstag eine halbe Million Menschen in der spanischen Mittelmeermetropole gegen Terror und Gewalt demonstriert. An der Massenkundgebung nahmen auch König Felipe VI., Spaniens Ministerpräsidenten Mariano Rajoy sowie die gesamte spanische Regierung teil. Zigtausende katalanischer Separatisten nutzen die Anwesenheit des Königs und der Zentralregierung, um gleich zu Beginn des Protestmarsches für die Unabhängigkeit der Region und gegen die spanische Regierung zu protestieren, die sich gegen die Durchführung eines Unabhängigkeitsreferendums am 1. Oktober stellt.

Ob die Attentate von vergangener Woche die weitere Entwicklung vor dem Referendum oder gar die Einstellung der Katalanen zum Thema beeinflussen könnten, ist ungewiss. Nach jüngsten Umfragen unterstützen nur noch 41 Prozent der 7,5 Millionen Katalanen die Unabhängigkeit von Spaniens wirtschaftsstärkster Region an der Grenze zu Frankreich.

Hinter den Politikern und dem König wehten Tausende von katalanischen Unabhängigkeitsflaggen. Während König Felipe und Mariano Rajoy ausgepfiffen wurden, gab es für Kataloniens separatistischen Ministerpräsidenten Carles Puigdemont großen Jubel. Linksradikale Separatisten warfen der Regierung und dem König mit Schlachtrufen und Plakaten mit der Aufschrift "Eure Politik, unsere Toten" vor, mit Waffenlieferungen an Staaten wie Saudi-Arabien den internationalen islamistischen Terrorismus zu unterstützen.

Nach und nach dominierten allerdings die Rufe "Ich habe keine Angst". Unter diesem Motto antworteten Hunderttausende Menschen auf die islamistischen Anschläge, die vergangene Woche auf der Flaniermeile La Rambla sowie im nahen Badeort Cambrils 15 Todesopfer und fast 130 Verletzte forderten. Organisiert wurde der Protestmarsch von der Stadt Barcelona, der katalanischen Regierung und zahlreichen Vereinen, unter denen sich auch viele muslimische Verbände und Gemeinden befanden.

Die Abschlussveranstaltung auf der Plaza Catalunya endete als Hommage an die Opfer sowie an die unzähligen Sanitäter, Polizisten, Feuerwehrleute und Privatpersonen, die den Verletzten zur Seiten gestanden haben. Miriam Hatibi, Repräsentantin der muslimischen Stiftung Ibn Battutta, sowie die bekannte katalanische Schauspielerin Rosa Maria Sarda riefen zur Einheit gegen den Terror und für das friedliche Zusammenleben auf.

Bei der Solidaritätskundgebung am Samstag versuchten alle Politiker ein Bild der Einheit zu vermitteln. Angeführt wurde der Protestzug jedoch bewusst von Sanitätern, Polizisten, Feuerwehrleuten und Menschen an, die sich nach dem Attentat um die Verletzten gekümmert haben. Damit sollte die Politik in den Hintergrund gestellt werden.

Rajoy hatte unterdessen am Freitag nach einer Kabinettssitzung in Madrid angekündigt, Spanien werde sich für eine stärkere europäische Zusammenarbeit im Kampf gegen den Terrorismus einsetzen. Der spanische Regierungschef forderte Frankreichs Premier Emmanuel Macron auf, das Thema am kommenden Montag auf die Tagesordnung des Vierer-Gipfels in Paris zu setzen, an dem neben Frankreich und Spanien auch Deutschland und Italien teilnehmen werden.