Politik | Ausland
02.04.2018

Kämpferin gegen Apartheid: Winnie Mandela gestorben

Winnie Mandela, die Ex-Frau von Südafrikas Freiheitskämpfer Nelson Mandela, ist tot.

Als Symbolfigur des Anti-Apartheid-Kampfes in Südafrika hat Winnie Mandela mehr als vier Jahrzehnte lang Politik und Schlagzeilen gemacht. Die lange Zeit wohl schillerndste Politikerin Afrikas hat in ihrem turbulenten Leben polarisiert wie kaum eine andere Frau.

Von ihren Verehrern als "uMama Wethu" (Mutter der Nation) bejubelt, von Kritikern als "schwarze Mamba" geschmäht, war ihre Popularität bis ins hohe Alter weitgehend ungebrochen. Nun ist sie nach Angaben ihrer Familie mit 81 Jahren gestorben.

Die Leser des in Afrika viel beachteten Magazins "New African" bestimmten sie 2004 in einer Liste der "100 größten Afrikaner aller Zeiten" zur populärsten Frau des Kontinents. Dabei war ihr Bild nicht frei von Schatten. Auch Skandale und Schulden prägten das Leben der Ex-Frau des ersten schwarzen Präsidenten Südafrikas, Nelson Mandela, nach der demokratischen Wende am Kap.

Vorkämpferin für Rechte

Die Lehrertochter Winnie Nomzamo ("die Strebsame") Mandela hatte sich als erste schwarze Südafrikanerin zur Sozialarbeiterin ausbilden lassen, bevor sie 1958 den Anwalt Mandela heiratete. Mit der Verhaftung des ANC-Führers 1962 und seiner Verurteilung begann für sie die schwierigste Zeit ihres Lebens.

Während sie sich allein um die gemeinsamen Töchter Zenani und Zinzi kümmerte, war sie ständigen Schikanen durch das Apartheid-Regime ausgesetzt. Dennoch verschaffte sie sich durch soziales Engagement und Furchtlosigkeit weltweiten Respekt.

Das Blatt wendete sich, als sie sich später in Soweto mit einer gefürchteten Leibwache umgab. Mit Entführungen, Folterungen und sogar Mord wurde sie in Verbindung gebracht. 1991 wurde sie wegen Entführung und Beihilfe zur Körperverletzung von vier schwarzen Jugendlichen zu sechs Jahren Haft verurteilt, kam in der Berufung aber mit einer Geldstrafe davon.

Jähes Eheende

Als sie dann am 11. Februar 1990 ihren Mann nach 27-jähriger Haft in die Freiheit begleitete, sahen viele in ihr Südafrikas erste schwarze First Lady. Doch Primadonna-Allüren, Affären und Arroganz zerstörten ihre Ehe und ramponierten ihr internationales Ansehen. Noch vor seiner Wahl trennte sich Mandela 1992 von ihr und ließ sich 1996 scheiden. Die schillernde Populistin manövrierte sich danach ins Abseits - auch wenn sie bei den Ärmsten der Armen weiter als Verkörperung von Leid, Schmerz und schwarzem Selbstbewusstsein hoch im Kurs stand. Als vor der Fußball-WM in Südafrika (2010) fremdenfeindliche Übergriffe schwarzer Südafrikaner auf Schwarzafrikaner aus anderen Ländern in den Armenvierteln Johannesburgs ausbrachen, war sie es, die couragiert einschritt.

Immer wieder entging Winnie Madikizela-Mandela - wie sie sich seit der Scheidung nannte - nur knapp drohenden Haftstrafen und stärkte als Überlebenskünstlerin ihr Image. Ihr Umgang mit Finanzen brachte ihr weiteren Ärger ein und bescherte Legionen von Anwälten Arbeit. Sie pflegte nach Jahren der Entbehrung einen extravaganten Lebensstil mit Luxuskarossen, Villa, Designerkleidern und Leibwächtern. Angesichts der Massenarmut im Lande rügten ihn Kritiker als schamlos.

Kritik und Spott

Zum Gespött wurde die Ikone mit der Vorliebe für ausgefallene Brillen und Hüte, als sie einem Richter die Deckung ihrer monatlichen Ausgaben von 72.000 Rand (7.200 Euro) erklären musste. Sie habe eben Gönner, die ihr monatlich 55.000 Rand (5.500 Euro) zusteckten, meinte sie.

Der Richter reagierte mit Kopfschütteln: "Viele lange Jahre standen Sie an der Seite des beliebtesten und respektierten Staatsmannes der Welt, aber irgendwann ist irgendwo etwas schief gelaufen." Als sie dann alle politischen Ämter niederlegte, gab es nicht nur Tränen zum Abschied: Sie galt in ihrer politischen Heimat, der einstigen Befreiungsbewegung des Afrikanischen National-Kongresses ( ANC), schon als Fossil einer vergangenen Ära. 2013 nahm sie Abschied von ihrem Ex-Mann: Zusammen mit Mandelas Ehefrau Graca Machel folgte sie Hand in Hand dem Sarg des Freiheitskämpfers.