Finanzkommissar ohne Banker-Boni-Agenden
Schon die Nominierung von Jonathan Hill sorgte bei vielen Beobachtern für Kopfschütteln – zu lange war der designierte EU-Finanzkommissar und bekennende Euroskeptiker als Lobbyist im Bankenumfeld gewesen. Jetzt gibt der neue EU-Kommissionschef seinen Kritikern Recht – zum Teil zumindest: Hill wird nämlich, wie die Financial Times berichtet, die Aufsicht über die Vergütung im Bankensektor entzogen.
Künftig soll die Zuständigkeit dafür bei dem von der Tschechin Vera Jourova geleiteten Justizressort liegen, soll Juncker in vertraulichen Gesprächen in Brüssel gesagt haben, so das Blatt unter Berufung auf zwei Insider. Hills, der auch den Titel Lord of Oareford trägt, war für Firmen tätig, die etwa für die britische Großbank HSBC oder die Londoner Stock Exchange lobbyierten.
Junckers Zickzackkurs
Laut Financial Times habe Juncker aber betont, dies sei von Anfang an so gedacht gewesen, dies sei keine nachträgliche Entscheidung. Es wird gemutmaßt, dass Juncker das ohnehin schon angespannte Verhältnis zu London nicht weiter belasten will.
Anzeichen dafür habe es aber in jenen Schreiben, die Juncker an seine neuen Kommissionsmitglied versandt hat, nicht gegeben – im Gegenteil , der designierte Finanzkommissar sei sogar dazu aufgefordert worden, Finanzmanagern keine "falschen Anreize" zu geben.
Rüge für London steht bevor
Auch der Termin der Entscheidung ist ein interessanter: Die europäische Bankenaufsicht will nämlich bereits im Oktober gegen die Vergütungen der Londoner Banker vorgehen - und zwar rigoros, denn dem Vernehmen nach werden die derzeit geltenden Regelungen als Umgehung der in der EU gültigen Deckelungen gesehen – denn eigentlich dürfen Boni nicht höher als zwei Festgehälter sein.
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