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Politik Ausland
08/30/2019

Jan Böhmermann: "Strache, ich will dich brennen sehen"

Deutscher Satiriker sagt außerdem, er wolle SPD-Chef werden. Juso-Chef Kevin Kühnert rät spaßhalber zu "mehr Willy-Brandt-Zitaten".

Jan Böhmermann will nach eigenen Worten SPD-Chef werden. Das kündigte der Satiriker am Donnerstagabend in seiner Show Neo Magazin Royale an. Die SPD-Ikone Willy Brandt sei ihm im Traum erschienen und habe ihm gesagt: "Du musst es machen, der Olaf ist 'ne Pfeife." Gemeint war Finanzminister Olaf Scholz (SPD), der Parteichef werden will.

Es könne juristische Schwierigkeiten geben, sagte er. Aber: "Ich, Jan Böhmermann, möchte Vorsitzender der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands werden." An die Adresse der Parteimitglieder sagte der Entertainer: "Ich bin bereit, die SPD zu retten, wenn ihr mir dabei helft."

Die Aktion kann als Persiflage auf die mühselige Suche nach einem neuen SPD-Chef und den seit Jahren fortschreitenden Niedergang der 156 Jahre alten Partei gesehen werden. In machen Wahlumfragen liegt die frühere Großpartei derzeit bei nur 14 Prozent.

In einem anderen Video sagte Böhmermann als Rapper-Imitator auch Ex-FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache ironisch den Kampf an. 

Drei Hürden

Seine Kampagne zur SPD-Kandidatur habe den Hashtag "#neustart19", die Website den Namen neustart19.de. Jedoch müsse er noch drei Herausforderungen bewältigen, wie der 38-Jährige dort schreibt: "1. Formell muss die Kandidatur für den Parteivorsitz bis Sonntag um 18 Uhr eingereicht sein. 2. Ich brauche bis dahin die Unterstützung von fünf SPD-Unterbezirken, einem Bezirk oder einem Landesverband. 3. Ich brauche bis dahin eine gültige Mitgliedschaft in der SPD."

In der Sendung am Donnerstag bekam von Böhmermann neben dem SPD-Linken Ralf Stegner und Finanzminister Scholz auch SPD-Urgestein Karl Lauterbach sein Fett weg.

Mittlerweile gibt es auch ein Video mit einer "offiziellen" Bewerbungsrede, in welcher der Moderator die Rhetorik der im Krisenmodus taumelnden SPD parodiert.

Einige SPD-Politiker reagierten bereits mit Humor auf Böhmermanns Aktion. "Kluge Kampagne", meinte Kevin Kühnert, Chef der Jungsozialisten (Jusos), zum Video. Sein Tipp an den Satiriker: "Mehr Willy Brandt-Zitate nutzen."

"Wenn Jan Böhmermann um Mitternacht nicht die Internationale singt, gibt's von uns keine Chance auf Unterstützung", twitterten die Jusos außerdem in ihrem offiziellen Kanal.

Alexander Schweitzer aus dem SPD-Bundesvorstand sagte der Bild-Zeitung, er finde es gut, wenn der Moderator SPD-Mitglied werde. "Allerdings sollte er beim Mitgliedsbeitrag nicht zu knauserig sein und sich das mit dem Vorsitz schnell wieder abschminken."

Andere reagierten weniger humorvoll. Der frühere Sprecher des Parteivorstands, Tobias Dünow, sagte: "Sich über Politik und Parteien lustig zu machen, war mal mutig. Heute ist es 'Mainstream', in der Politik würde man sagen: Populismus". Demokratie brauche ein Mindestmaß an Würde. "All das müsste ein kluger Mensch wie Böhmermann wissen", schrieb er weiter. In Klammer fügte er an: "P.S. Natürlich sind wir auch selbst schuld."

Außerdem schrieb Dünow auf Twitter: "Böhmermann hat sich sehr darüber erschrocken, als er mal aus Versehen eine Staatskrise ausgelöst hat. Kann passieren. Sollte man aber daraus lernen."

"Strache, wo bist du?"

In seinem Teaser-Video auf die neue Staffel Neo Magazin Royale, in dem Böhmermann den Rapper Kollegah parodiert, gibt es außerdem einen neuen Seitenhieb auf die österreichische Politik: "Heinz-Christian Strache, was ist los, wo bist du? Ich will dich brennen sehen."

Böhmermann hatte schon im Frühjahr mit seinen Kenntnissen über die österreichische Politiklandschaft überrascht, als er bei der ROMY-Verleihung Späße über Ex-Vizekanzler Strache machte. Er hänge "gerade ziemlich zugekokst und Red-Bull-betankt mit ein paar FPÖ-Geschäftsfreunden in einer russischen Oligarchenvilla auf Ibiza" herum, erklärte Böhmermann in seiner Videobotschaft an die ROMY-Gäste. "Kann sein, dass morgen Österreich brennt." Wenige Wochen später wurde das berühmte Ibiza-Video mit dem Protagonisten Strache veröffentlicht, was zum Ende der türkis-blauen Koalition führte.