(Archivfoto eines Raketenangriffs unbekannter Herkunft)

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Politik Ausland
01/06/2019

IS-Raketenangriff in Syrien: Kurde getötet, zwei Briten verletzt

Vor dem US-Abzug aus Syrien soll noch im Jänner ein Treffen zwischen den Staatschefs Erdogan und Putin stattfinden.

Im Osten Syriens ist nach Angaben von Aktivisten am Samstag ein kurdischer Kämpfer der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) getötet worden. Zwei britische Soldaten seien von Kämpfern der Jihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) verletzt worden. Der Vorfall habe sich im Dorf Al-Shaafa in der Provinz Deir ez-Zor (Essor) ereignet, sagte der Chef der "Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte", Rami Abdel Rahman, der Nachrichtenagentur AFP.

Der IS feuerte demnach eine Rakete auf die Soldaten ab; die Verletzten seien per Hubschrauber zur medizinischen Behandlung fortgebracht worden. Die beiden britischen Soldaten sind den Angaben zufolge Teil der US-geführten internationalen Anti-IS-Koalition. Al-Shaafa ist einer der letzten Rückzugsorte des IS im Euphrat-Tal.

Die in Großbritannien ansässige Beobachtungsstelle bezieht ihre Informationen von Aktivisten vor Ort. Für Medien sind die Angaben meist kaum zu überprüfen.

US-Präsident Donald Trump hatte im Dezember erklärt, der IS sei in Syrien besiegt. Er kündigte deshalb den Abzug aller US-Truppen aus dem Land an. Die USA sind dort bisher mit rund 2.000 Spezialkräften im Einsatz, um die SDF-Kämpfer gegen die IS-Miliz zu unterstützen. Experten warnen, dass der IS entgegen der Behauptung Trumps noch nicht besiegt sei.

Vor US-Abzug: Weiteres Treffen von Erdogan und Putin

Im Rahmen reger Reisediplomatie vor dem Abzug der US-Truppen aus Syrien steht auch ein weiteres Treffen zwischen dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan und Russlands Präsident Wladimir Putin an. Das meldeten am Sonntag türkische und russische Medien. Der türkischen staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu zufolge soll das Treffen noch im Jänner stattfinden.

Putins Sprecher sagte am Sonntag nach Berichten russischer Medien, die Präsidenten beider Länder seien sich einig, dass es bald stattfinden müsse. Die Türkei unterstützt in Syrien oppositionelle Rebellen, Russland zusammen mit dem Iran die Regierung von Machthaber Bashar al-Assad. Im Raum steht unter anderem die Frage, ob die Türkei nach dem Abzug der US-Truppen die Hauptverantwortung für den Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) in Syrien übernimmt. Ende Dezember hatten sich zu Syrien schon die russischen und türkischen Außen- und Verteidigungsminister in Moskau getroffen.

Türkei braucht viel Hilfe für Einsatz gegen IS

Nach Ansicht von US-Beamten müsste die Türkei erheblich von den USA unterstützt werden, um die Hauptverantwortung im Kampf gegen den IS in Syrien übernehmen zu können. Das Wall Street Journal berichtete am Wochenende unter Berufung auf namentlich nicht genannte hohe Regierungsquellen, dass die Türkei um Hilfe unter anderem für Luftangriffe, Transporte und Logistik gebeten habe.

"Die türkischen Anfragen sind so umfangreich, dass, wenn voll erfüllt, das US-Militär seine Einbindung in Syrien vertiefen würde statt sie zu reduzieren", heißt es in dem Bericht. US-Präsident Donald Trump hatte vor Weihnachten den Abzug der US-Truppen aus Syrien angeordnet. Per Twitter gab Trump an, dass der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan versichert habe, die Türkei könne die Überbleibsel des IS in Syrien "auslöschen". In dem "Wall Street Journal"-Bericht heißt es, im US-Verteidigungsministerium sei man skeptisch, ob die Türkei die Rolle der USA angemessen ersetzen könne.

Abzugsdatum noch unklar

Wann die USA aus Syrien abziehen, ist noch unklar. US-Außenminister Mike Pompeo hatte sich jüngst nicht auf einen Zeitplan festlegen wollen. Die US-Regierung ist unter anderem besorgt darüber, was mit ihren kurdischen Alliierten im Kampf gegen den IS geschieht, sollte die Türkei sich stärker in Syrien einbringen. Die Türkei hatte kurz vor Ankündigung des US-Truppenabzugs noch eine Offensive gegen die kurdische YPG-Miliz in Nordsyrien beginnen wollen. Ankara sieht die YPG, die an der türkischen Grenze Gebiete beherrscht, als Terrororganisation an. Pompeo sagte Ende der Woche, man wolle sicherzustellen, "dass die Türken die Kurden nicht abschlachten".

Trumps Sicherheitsberater John Bolton, der sich seit Samstag in Israel aufhält, wird am Dienstag in der Türkei erwartet. Begleitet wird er von US-Generalstabschef Joseph Dunford und dem Syrien-Gesandten James Jeffrey. Boltons Sprecher zufolge gibt es unter anderem Gespräche mit Verteidigungsminister Hulusi Akar und Geheimdienstchef Hakan Fidan.

Am frühen Sonntagmorgen twitterte Bolton eine Warnung an die Adresse der syrischen Regierung, die Gespräche über den US-Abzug nicht als Einladung für den erneuten Einsatz von Chemiewaffen zu verstehen: "Auf jeden Gebrauch wird es eine schnelle, starke Antwort geben."
 

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