Heftige Schlacht um Oasenstadt Palmyra

Eine Frau steht inmitten der Trümmer eines zerstörten Gebäudes.
Die Jihadistenmiliz IS errang am Sonnta vorerst wieder die Kontrolle über die historische Stadt. Die syrische Armee rüstet sich derweil zum Gegenangriff.

Nachdem syrische Regierungstruppen die Jihadistenmiliz IS im März aus Palmyra vertreiben konnten, sind die Kämpfe um die antike Oasenstadt am Wochenende wieder aufgeflammt. Zunächst eroberte der IS das Stadtzentrum am Samstag, bevor die syrische Armee und russische Luftangriffe die Jihadisten in der Nacht auf Sonntag vertrieben. Sonntagnachmittag war der IS jedoch offenbar wieder zurück in Palmyra.

Die Truppen von Staatschef Bashar al-Assad hätten sich zurückgezogen, berichtete die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte und die IS-Nachrichtenagentur Amaq kurz nach Sonntagmittag. Beide Quellen sind nicht unabhängig überprüfbar. Allerdings bestätigte auch das syrische Staatsfernsehen am Nachmittag, dass die Jihadisten wieder die Kontrolle über das antike Stadtzentrum erlangt hätten. Die syrische Armee täte ihr Bestes, um den IS wieder zurückzudrängen hieß es.

IS zog 4000 Mann für Palmyra zusammen

Zuvor hatten bereits russische Nachrichtenagenturen von einer zweiten Offensive des IS auf die antike Oasenstadt berichtet. Die Miliz habe rund 4.000 Mann vor den Toren der Stadt zusammengezogen, sie stammten großteils aus den IS-Hochburgen Raqqa und Deir al-Zor.

In der Nacht auf Sonntag hatten syrische Truppen unterstützt von russischen Luftangriffen vorübergehend die Herrschaft über das Stadtzentrum wiedererlangt. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Moskau flog Russland in der Nacht auf Sonntag insgesamt 64 Angriffe und tötete dabei mehr als 300 IS-Kämpfer. Die Jihadisten waren am Samstag nach mehrtägigen Gefechten wieder in die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörende Stadt vorgedrungen, aus der sie vor acht Monaten vertrieben worden waren.

Weltkulturerbe in die Luft gesprengt

Damals zerstörten die Extremisten zahlreiche einzigartige, rund 2.000 Jahre alte Ruinen, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehören. So sprengten sie die Tempel Baal und Bal-Shamin sowie den Triumphbogen. Traurige Berühmtheit erlangte auch ein Video aus Palmyra, in dem zu sehen ist, wie der österreichische Jihadist Mohamed M. einen vor ihm knienden Mann erschießt, während ein deutscher Jihadist auf einen weiteren Mann feuert. Am Rande des Drehs sollen zudem sieben weitere Menschen unter Führung von Mohamed getötet worden sein, wie ein IS-Aussteiger behauptete.

Der IS hatte in dieser Woche eine Offensive in der Region um Palmyra begonnen und die Regimetruppen aus mehreren Richtungen angegriffen. Mittlerweile kontrolliert die Jihadistenmiliz wieder mehrere Gasfelder, darunter Al-Shair. Dieses hatten die Extremisten bereits 2014 sowie im Mai dieses Jahres zeitweilig unter Kontrolle. Die Gasanlagen wurden bei den Kämpfen schwer beschädigt. Die Gasfelder und Pipelines in der Region sind von zentraler Bedeutung für die Energieversorgung des Landes.

Die Oasenstadt Palmyra in der zentralsyrischen Wüste war eines der herausragenden Zentren im Altertum. Die UNESCO - die Kulturorganisation der Vereinten Nationen - erklärte die Ruinen der ehemaligen Handelsmetropole der legendären Königin Zenobia im Jahr 1980 zum Weltkulturerbe.

Durch ihre Lage an einer der wichtigsten Handelsrouten zwischen dem Römischen Reich, Persien, Indien und China gewann Palmyra in den ersten Jahrhunderten nach Christus stetig an Bedeutung. Nach ihrer Blütezeit wurde die Stadt im Jahr 272 von den Römern zerstört.

Nachdem die Terrormiliz IS die Stadt im Mai 2015 zeitweise von der syrischen Armee erobert hatte, sprengten die Jihadisten viele Monumente. Das vor dem Syrienkrieg beliebte Touristenziel gilt als einer der bedeutendsten Komplexe antiker Bauten im Nahen Osten.

Zu den zerstörten Bauten gehören der rund 2.000 Jahre alte Baal-Tempel, der Baal-Schamin-Tempel sowie mehrere einzigartige Turmgräber, der Triumphbogen und ein Teil der berühmten Säulenstraße. Laut UNESCO wurden "die meisten Statuen und Sarkophage verunstaltet" oder zerschlagen, doch blieb die historische Stätte "zum größten Teil in ihrer Einheit und in ihrem ursprünglichen Charakter erhalten".

Die Zerstörung der Kulturdenkmäler ging einher mit der Ermordung vieler Menschen, etwa des Archäologen Khaled Asaad, der die Erforschung und Erhaltung Palmyras mehr als 40 Jahre lang geleitet hatte.

Neben den Ruinen liegt eine gleichnamige moderne Stadt. Der Ort befindet sich nordöstlich von Damaskus.

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