People watch the St. Patrick's Day Parade in New York, March 16, 2013. REUTERS/Carlo Allegri (UNITED STATES - Tags: SOCIETY)

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Sparkurs
03/30/2013

Irland: Die belohnte Geduld

Europas erster Krisenstaat verlässt bald das Hilfsprogramm.

Ein ganzes Land, das vom eigenen Bankensektor in den finanziellen Abgrund gerissen wird: Das war nicht nur in Zypern der Fall, sondern auch in Irland. Die Grüne Insel musste vor mehr als zwei Jahren als erster EU-Staat unter den Euro-Rettungsschirm flüchten.

„Ich verstehe den Ärger und den Frust der Menschen in Zypern. Aber da muss man durch“, sagt die vierfache Mutter Janna Maxon aus Dublin. Um den Schuldenberg nach der Bankenrettung in Irland abzutragen, hat die Regierung in Dublin in den vergangenen Jahren drastisch sparen müssen. „Immer wenn man denkt, jetzt kann nichts mehr kommen , erhöhen sie noch eine Steuer oder führen eine neue Abgabe ein. Aber es hilft nichts“, sagt Maxon. „Schuld an dem Crash waren wir alle“, meint Busfahrer Michael Kingston. „Wir haben über unsere Verhältnisse gelebt. Dafür zahlen wir den Preis. Es ist zu billig, nur auf die Regierung und die EU zu schimpfen.“

Irland hat seine Krise noch lange nicht bewältigt, es kann den Zyprern aber als Beispiel dafür dienen, dass der Umschwung tatsächlich zu schaffen ist.

Nach sechs großen Sparpaketen in fünf Jahren, vielen Strukturreformen und Milliarden-Hilfen aus dem Ausland könnte Irland Ende dieses Jahres als erster Krisenstaat aus dem Hilfsprogramm von EU und Internationalem Währungsfonds aussteigen und an den Kapitalmarkt zurückkehren.

Die harten Sparauflagen der internationalen Geldgeber für hilfsbedürftige Staaten sind europaweit umstritten, die irische Regierung hält sie aber für richtig. Die „bittere Medizin“ habe gewirkt, sagt Europaministerin Lucida Creighton. „Unsere Erfahrung zeigt, dass man den Haushalt schnell konsolidieren muss. Das schafft Sicherheit für Bürger und Investoren.“ Die überschuldeten Staaten hätten keine Wahl.

Irland ist es gelungen, trotz Steuererhöhungen und Einsparungen in Milliardenhöhe, die eigene Wirtschaft anzukurbeln. 2012 betrug das Wachstum 0,9 Prozent. In der gesamten Eurozone schrumpfte die Wirtschaft um 0,6 Prozent.

Kürzungen

Hauptverantworlich für den Aufschwung sind die Exporte. Die sind auch deshalb stark gestiegen, weil Irland im Zuge der Krise wieder wettbewerbsfähiger geworden ist: Die Gewerkschaften haben Lohnkürzungen mitgetragen; das Pensionsalter wurde ohne große Proteste von 65 auf 67 Jahre angehoben. „Unser Volk hat außergewöhnliche Geduld mit den Herausforderungen des täglichen Lebens gezeigt“, lobt Premierminister Enda Kenny. Viele Iren spüren vom Aufschwung aber noch nichts. Die Arbeitslosigkeit ist mit 15 Prozent sehr hoch. Zehntausende Familien sind mit Kreditrückzahlungen für Häuser im Verzug, die sie in den Boom-Jahren des „keltischen Tigers“ um zu viel Geld gekauft haben.

Die Ratingagentur Moody’s sieht die Insel noch lange nicht über dem Berg. Erst gestern drohte sie Irland und einem anderen Krisenstaat, Portugal, mit einer weiteren Bonitätsabstufung. Der Ausblick für die Bewertung beider Länder bleibe negativ, teilte Moody’s mit.

Irland muss weiter sparen“, erklärt Wirtschaftsprofessor Philip Lane vom Trinity College Dublin. Dabei könnte der Regierung die größte Herausforderung noch bevorstehen: die Zeit, wenn sie ohne Milliarden-Hilfen von außen durchkommen muss. „Dann können sich Kenny und seine Minister nicht mehr auf die Auflagen der internationalen Geldgeber ausreden, wenn sie der Bevölkerung noch mehr Opfer abverlangen.“

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