15 iranischen Schauspielerinnen wird vorgeworfen, dass ihre unislamische Kleidung in Filmen zur „Erregung“ von Männern geführt haben soll.

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Politik Ausland
12/21/2021

Iranische Politikerin kritisiert Kleider-Gesetz nach absurder Klage

In Großstädten immer mehr Frauen ohne Kopftuch und mit figurbetonter Kleidung zu sehen

Eine iranische Reformpolitikerin hat das islamische Kleiderordnungs-Gesetz und die sexistische Einstellung der Männer im Land scharf kritisiert. "Das ist doch das elementare Recht der Frauen zu entscheiden, was sie anziehen wollen", twitterte Asar Mansuri, Generalsekretärin der reformorientierten Partei Ettehad Mellat (Volksunion), am Dienstag. "Das Problem ist nicht die Kleiderordnung der Frauen, sondern die kranken Augen der Männer, die gereinigt werden müssten."

Hintergrund der Äußerung der 57-jährigen Oppositionsführerin waren Berichte über eine Anklage von Geistlichen gegen 15 iranische Schauspielerinnen. Ihnen wird vorgeworfen, dass ihre unislamische Kleidung in Filmen zur "Erregung" von Männern geführt haben soll. Die Geistlichen fordern Schmerzensgeld, weil die Szenen bei ihnen und anderen Männern zu "seelischer Belastung" geführt hätten.

Ein Witz?

Die absurden Vorwürfe wurden in den sozialen Medien zunächst als Witz ausgelegt. Alle Schauspielerinnen in iranischen Filmen müssen die islamische Kleiderordnung einhalten, sonst erhalten die Filme keine Genehmigung. In manchen Szenen kommt die Figur unbeabsichtigt dennoch zur Geltung.

Im Iran sind seit der islamischen Revolution von 1979 Mädchen ab neun Jahren gesetzlich gezwungen, in der Öffentlichkeit ein Kopftuch sowie einen langen, weiten Mantel zu tragen, um Haare und Körperkonturen zu verhüllen. Aber auch nach fast 43 Jahren funktioniert der Zwang nicht wie vom Klerus erhofft. Die überwältigende Mehrheit der Frauen im Iran ist dagegen. Besonders in Großstädten sind in den letzten Jahren immer mehr Frauen ohne Kopftuch und mit figurbetonter Kleidung zu sehen - Tendenz steigend.

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