Politik | Ausland
09.06.2018

Iran geht nach US-Ausstieg aus Atomdeal auf Russland zu

Rouhani traf Putin in China. Der russische Präsident telefonierte außerdem mit dem ukrainischen über einen Gefangenenaustausch.

Der iranische Präsident Hassan Rouhani wünscht sich nach dem Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen einen stärkeren Austausch mit Russland. Ein ernsthafter und wichtiger Dialog sei erforderlich, sagte Rouhani laut der russischen Nachrichtenagentur Tass am Samstag bei einem Treffen mit Russlands Präsidenten Wladimir Putin in China. Der iranische Präsident fügte hinzu, dass die Beziehungen zu Russland sich zunehmend positiv entwickelten. Den Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen nannte er illegal.

Rouhani und Putin sprachen am Rande des Gipfels der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit in der ostchinesischen Stadt Qingdao. Während des asiatischen Regionalgipfels am Samstag und Sonntag soll Rouhani auch mit Chinas Präsidenten Xi Jinping zusammenkommen.

An dem Gipfeltreffen nehmen unter anderem auch der indische Ministerpräsident Narendra Modi sowie Pakistans Präsident Mamnoon Hussain teil. Genau wie Deutschland, Frankreich und andere EU-Staaten hatten Russland und China den Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen mit dem Iran scharf kritisiert.

Vor seiner Abreise nach China hatte Rouhani die Alleingänge von Trump als ein gefährliches Spiel bezeichnet, das nicht ignoriert werden sollte. Die unilaterale Politik der USA schwäche das Vertrauen in die international anerkannten Abkommen und in Diplomatie allgemein. Die Weltgemeinschaft sollte daher etwas unternehmen, forderte der iranische Präsident.

Putin und Poroschenko sprachen über Gefangenenaustausch

Entspannungssignale zwischen den beiden verfeindeten Nachbarländern Russland und Ukraine. In einem seltenen Telefongespräch haben die Präsidenten beider Länder, Wladimir Putin und Petro Poroschenko, am heutigen Samstag über die Freilassung von Häftlingen gesprochen. Während der Kreml von einem " Gefangenenaustausch" sprach, war in Kiew von einer Freilassung "politischer Gefangener" die Rede.

Poroschenko habe insbesondere auf Ukrainer verwiesen, die sich im Hungerstreik befinden, um gegen ihre Inhaftierung durch Russland zu protestieren, hieß es aus der ukrainischen Hauptstadt. Die Beziehungen zwischen Moskau und Kiew haben einen Tiefpunkt erreicht, nachdem Russland in Reaktion auf den pro-westlichen Umsturz in der Ukraine vor vier Jahren die ukrainische Halbinsel Krim annektiert hat und die Separatisten in der Ostukraine unterstützt.