Politik | Ausland
12.07.2018

Internationale Pressestimmen zum Auftreten Trumps beim NATO-Gipfel

© Bild: APA/AFP/BRENDAN SMIALOWSKI

"NZZ": Deutschland ist für NATO-Bündnisfall nicht gerüstet - "LaRepubblica": Trump, der Hauptzerstörer der Ordnung.

Zum Auftreten von US-Präsident Donald Trump beim NATO-Gipfel schreiben die Zeitungen am Donnerstag:

"de Volkskrant" (Amsterdam):

"Es ist typisch für Trump, dass er nach seinem Treffen mit Bundeskanzlerin Merkel ihr Gespräch wieder in den höchsten Tönen lobte, obwohl er sich zuvor beinahe abfällig über die Beziehung Deutschlands zu Russland ausgelassen hatte. Geschäfte mit ihm zu machen, muss sich anfühlen wie eine Fahrt mit dem Autoscooter auf der Sommerkirmes. Doch es gibt in seinen Äußerungen und Handlungen ein Muster, das für seine europäischen Verbündeten recht beunruhigend sein dürfte. Die Liste der Streitpunkte will nicht kleiner werden, egal wie oft man sich trifft. Im Gegenteil."

" Neue Zürcher Zeitung":

"Was Trumps Pochen auf das 2-Prozent-Ziel der NATO anbelangt, so hat er unzweifelhaft recht. 2018 wendet Deutschland voraussichtlich 1,24 Prozent seiner Wirtschaftsleistung für die Verteidigung auf. Bis 2024 sollen es 1,5 Prozent sein. Damit würde das Land klar unter der Zielvorgabe von 2 Prozent bleiben, auf die sich die NATO-Mitglieder 2014 geeinigt haben. (...)

Dabei leistet sich Deutschland vielleicht eine der teuersten Armeen der Welt, wenn man bedenkt, dass es eine Armee ist, die gar nicht funktioniert. Deutschland zahlt 2018 rund 42 Milliarden Euro für eine Armee, die "nicht einsatzfähig" ist, wie der Wehrbeauftragte des Bundestags, ein Sozialdemokrat, vor zwei Monaten meldete. Es fehle an Ersatzteilen, modernen Waffensystemen und neuer Technik. Für einen NATO-Bündnisfall sei die Truppe nicht gerüstet. Eine solche Armee kann sich nur leisten, wer unter besonderem Schutz steht: wie Deutschland unter dem der USA."

"Times" (London):

"Der US-Präsident hat aus seiner Geringschätzung der NATO und seinem Ärger über deren aus seiner Sicht schmarotzende Mitglieder nie ein Geheimnis gemacht. Insbesondere für Angela Merkel empfindet er wenig Zuneigung. Er war verärgert über einige ihrer scharfzüngigen Bemerkungen zu seine Präsidentschaft. Der NATO-Gipfel war eine gute Gelegenheit, Berlin und die anderen europäischen Verbündeten, darunter auch Großbritannien, in die Defensive zu bringen. Viele von ihnen sind sich bewusst, dass sie noch einiges zu tun haben, um das Versprechen bei einem NATO-Gipfel in Wales zu erfüllen, zwei Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts für die Verteidigung aufzuwenden. Ganz zu schweigen von den vier Prozent, die Trump gestern forderte. Und viele dürften zudem nervös sein angesichts der sich abzeichnenden Konfrontation mit Washington im Handel."

"La Repubblica" (Rom):

"Noch nie seit dem Zweiten Weltkrieg hat ein amerikanischer Präsident ein europäisches Land verbal so hart angegriffen. Vor allem nicht das erste europäische Land, Deutschland. Die Unhöflichkeit spielt sich im Rückzugsort der nordatlantischen Allianz im Hauptquartier der NATO ab. Und wie es Donald Trump so oft macht, der Hauptzerstörer der Ordnung, benutzt er unangenehme Wahrheiten, die er wie Vernichtungswaffen benutzt."