"Zeit, aggressiv zu werden": Video belastet ICE-Beamten nach Schüssen
Zusammenfassung
- Bodycam-Video zeigt, wie ICE-Beamte in Chicago aggressiv gegen eine US-Bürgerin vorgingen und sie durch Schüsse schwer verletzten.
- Die Frau wurde zunächst wegen Behinderung eines Bundesbeamten angeklagt, obwohl das Video die Darstellung der Behörden widerlegt; die Anklage wurde später fallen gelassen.
- Veröffentlichte Beweismittel zeigen, dass der ICE-Beamte mit seiner Schussabgabe prahlte und von Vorgesetzten gelobt wurde.
In den USA ist ein Video aufgetaucht, das das rabiate Vorgehen von Mitarbeitern der Einwanderungsbehörde ICE offenlegt und Darstellungen der US-Regierung widerlegt. Die am Dienstagabend (Ortszeit) von der Staatsanwaltschaft veröffentlichten Aufnahmen stammen von einer Bodycam, die ein ICE-Mitarbeiter vergangenen Oktober bei einem Einsatz in Chicago getragen hat und bei dem eine US-Bürgerin durch mehrere Schüsse schwer verletzt wurde.
ICE-Beamter: "Es ist Zeit, aggressiv zu werden"
Die Lehrerin Marimar Martinez war damals mit ihrem Auto dem Wagen der US-Grenzschützer gefolgt, um Mitbürger ohne Aufenthaltsgenehmigung zu warnen. Bei den ICE-Kräften saß ein Mann namens Exum am Steuer. Einer der Grenzschützer warnt in dem Video, sie würden blockiert werden und kündigt an: "Es ist Zeit, aggressiv zu werden." Er ergänzt: "Wir werden Kontakt aufnehmen."
"Achtung, wir wurden gerammt"
Exum lenkte den Aufnahmen zufolge das Fahrzeug scharf nach links in den Wagen von Martinez. Sofort stellte einer der Männer den Zusammenstoß über Funk mit der Zentrale allerdings anders dar: "Achtung, wir wurden gerammt, wir wurden gerammt." Nach der Kollision stieg Exum aus dem Fahrzeug und gab fünf Schüsse ab. Das Heimatschutzministerium erklärte damals, Martinez habe die ICE-Männer mit ihrem Fahrzeug angegriffen.
Martinez überlebte schwer verletzt. Gegen sie wurde zunächst Anklage wegen Behinderung eines Bundesbediensteten erhoben, diese wurde jedoch im November fallen gelassen. Dennoch bezeichnet das Ministerium sie auf seiner Webseite weiterhin als "inländische Terroristin". Martinez hatte die Veröffentlichung des Videos und anderer Beweise beantragt, um sich gegen die Vorwürfe zu wehren. Ihr Anwalt kündigte zudem eine Zivilklage an. Ein Bezirksrichter begründete die Veröffentlichung der Beweise unter anderem mit dem Hinweis, die Regierung habe keinerlei Rücksicht auf den Ruf von Martinez genommen.
"Fünf Schüsse, sieben Treffer": Schütze prahlte mit Treffsicherheit
Zu den nun veröffentlichten Beweismitteln gehören auch Textnachrichten, in denen Exum mit seiner Treffsicherheit prahlte. "Ich habe fünf Schüsse abgefeuert und sie hatte sieben Löcher. Schreibt das in euer Buch, Jungs", schrieb er in einem Gruppenchat an Kollegen. Sein Vorgesetzter Gregory Bovino lobte ihn zudem in einer E-Mail für seinen "exzellenten Dienst". Bovino war kürzlich von seinem Posten als regionaler Einsatzleiter in Minneapolis abberufen worden. Vorausgegangen war die Tötung der beiden US-Zivilisten Renee Good und Alex Pretti, die im Abstand weniger Tage von ICE-Einsatzkräften in der Stadt erschossen wurden.
Während des Gerichtsverfahrens gegen Martinez wurde auch Beweismaterial vorgelegt, dass Exum das Fahrzeug, einen Chevy Tahoe, zurück zu seiner Basis in Maine gefahren hatte und dass Reparaturen von einem Mechaniker der Zoll- und Grenzschutzbehörde durchgeführt worden waren. Damit konnten keine Unfallspuren zum Hergang des Zusammenstoßes ausgewertet werden.
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