IAEA-Generaldirektor Yukiya Amano in Wien

© REUTERS/HEINZ-PETER BADER

IAEA
12/02/2015

Iran soll bis 2003 an Atomwaffen geforscht haben

Die Internationale Atomenergiebehörde berichtet von einem geheimen Forschungsprogramm. Der Iran weist dies zurück.

Der Iran hat nach Überzeugung der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) bis vor einigen Jahren an einem geheimen Forschungsprogramm zur Entwicklung eigener Atomwaffen gearbeitet. Das geht aus einem Bericht der IAEA hervor, der mehreren Nachrichtenagenturen in Wien vorlag. Kurz vor dem Bau einer Atombombe stand die Islamische Republik demnach aber nie.

Die Behörde betont, dass die Bemühungen vor allem bis 2003 stattfanden. Danach habe es bis 2009 Computer-Simulationen im Zusammenhang mit Nuklearsprengköpfen gegeben. Seither gebe es keine Anzeichen mehr für entsprechende Aktivitäten. Die Forschung Teherans sei nicht über Machbarkeits- und Wissenschaftsstudien sowie den Erwerb von technischer Expertise hinausgegangen. Der Iran habe kein Nuklearmaterial für militärische Zwecke beiseitegeschafft.

Frage der "militärischen Dimension"

Der Verdacht einer "möglichen militärischen Dimension" (PMD) des iranischen Atomprogramms hatte seit mehr als zehn Jahren die Beziehungen der internationalen Gemeinschaft mit Teheran überschattet. Die IAEA bestand hartnäckig auf Aufklärung.

Dabei ging es um insgesamt zwölf konkrete Fragen. Sie galten unter anderem der Beschaffung von spaltbarem Material, der Entwicklung von atomwaffenfähigen Zündern, verschiedenen Tests und konkreten Modellen zur Bestückung von Raketen mit Atomsprengköpfen.

Iran weist Bericht zurück

Der Iran wies den IAEA-Bericht über eine geheime Atomwaffenforschung zurück. "Unsere Atomforschungen (...) waren stets standardgemäß und haben nur friedliche Ziele verfolgt", sagte Vizeaußenminister Abbas Araqchi am Mittwoch. Atomwaffen seien nie Teil der iranischen Verteidigungsdoktrin und Ziel der Forschungen gewesen, sagte er der Nachrichtenagentur ISNA.

Erst am Sonntag hatte der iranische Außenminister Mohammad Javad Zarif erneut Behauptungen zurückgewiesen, der Iran habe in der Vergangenheit ein Atomwaffenprogramm betrieben. Diese Behauptungen seien unglaubwürdig, sagte Zarif laut Press TV.

USA fühlen sich bestätigt

Die USA fühlen sich durch den Bericht in ihrer Sichtweise bestätigt, dass der Iran an einem geheimen Atomwaffenprogramm geforscht hat. "Es bestätigt das, was wir bereits zuvor festgestellt hatten", sagte Mark Toner, Sprecher des US-Außenministeriums, am Mittwoch in Washington. "Sie haben an einem Atomwaffenprogramm gearbeitet."

Die USA hätten diese Erkenntnisse in einem Geheimdienstbericht 2007 veröffentlicht. Die kürzlich erreichte Übereinkunft für ein Abkommen mit dem Iran werde dafür sorgen, das dies nicht wieder möglich sein wird, sagte Toner.

Atom-Deal

Seit dem Atom-Deal mit dem Iran vom 14. Juli herrscht politisches Tauwetter zwischen der internationalen Gemeinschaft und Teheran. Im Sommer hatte der Iran nach langjährigen Verhandlungen mit der 5+1-Gruppe (USA, Russland, China, Großbritannien, Frankreich und Deutschland) in Wien in einem umfassenden Vertrag der drastischen Begrenzung seines Atomprogramms zugestimmt, das sich auf die friedliche Nutzung der Kernenergie beschränken soll. Das ist die Voraussetzung für die von Teheran erhoffte Aufhebung der Wirtschaftssanktionen.

Als nächsten Schritt will die 5+1-Gruppe einen Resolutionsentwurf formulieren. Ein für Mitte Dezember erwartetes außerordentliches Treffen des IAEA-Gouverneursrats in Wien wird über diese Resolution abstimmen. Die weitere Umsetzung des Atom-Deals ist aber nicht abhängig vom Ausgang dieser Abstimmung.

Iran und Atom - Immer wieder Verdacht

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) mit Sitz in Wien, die weltweit die Nuklear-Aktivitäten von Staaten überwacht, hatte aber zahlreiche Hinweise, dass Teheran heimlich an der Entwicklung einer Atombombe forscht. Der Iran wies diesen Verdacht immer wieder zurück.

Eine Chronologie:

  • 2002: Erste Hinweise auf ein mögliches geheimes iranisches Atomwaffenprogramm tauchen auf. Die Rede ist vom Bau einer unterirdischen Uran-Anreicherungsanlage in Natanz und eines Schwerwasserreaktors in Arak zur Plutoniumerzeugung.
  • 2003/2004: Für größte Bedenken sorgen neue Erkenntnisse, dass Teheran schon seit den 1980er Jahren undeklariertes Uran für Tests und Experimente verwendet hat.
  • 2003-2006: Der Iran lässt in dieser Zeit intensivere Inspektionen durch die IAEA zu und übermittelt Informationen zu seinen Atom-Aktivitäten. Er räumt ein, dass er in früheren Jahren Kontakt zu einem geheimen Netzwerk mit besten Kenntnissen atomarer Technologie hatte. Das Netzwerk ist pakistanischen Ursprungs.
  • 2008: Angesichts der drängenden Anfragen der IAEA unterbreitet der Iran im Mai ein 117-seitiges Papier, in dem er den Verdacht zurückweist, er arbeite am Bau einer Atomwaffe. Alles basiere auf gefälschten Dokumenten und manipulierten Daten.
  • 2007-2010: Die Klage der IAEA über mangelnde Kooperationsbereitschaft Teherans erhält neuen Auftrieb. Iran hatte nicht über den Bau des Forschungsreaktors Fordo und über Pläne zum Ausbau der atomaren Infrastruktur informiert.
  • 2013: Erst mit dem Antritt des reformorientierten Präsidenten Hassan Rohani kommt Schwung in die Sache. Rohani will ein Ende der Wirtschaftssanktionen und geht auf Forderungen der internationalen Gemeinschaft ein, das Atom-Programm drastisch zu reduzieren.
  • 2015: Am 14. Juli wird in Wien der Atom-Deal mit Teheran abgeschlossen. Die Klärung der sogenannten "möglichen militärischen Dimension" (PMD) des Atomprogramms ist ein Teil davon. Der Iran stimmt mit dem Abkommen der drastischen Begrenzung seines Atomprogramms zu, um im Gegenzug die erhoffte Aufhebung der Wirtschaftssanktionen zu erreichen. Der jetzige Abschlussbericht der IAEA kann diesen Deal vom Sommer nicht torpedieren.

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