1980: Die Fischers bei Fidel Castro

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Bundespräsident
03/01/2016

"Heinz, warum hast Du so plötzlich Schluss gemacht?"

Heinz Fischer besucht Kuba: Wiedersehen mit Fidel Castro wäre Überraschung.

von Josef Votzi

Papst Franziskus war Mitte Februar bereits zum zweiten Mal da. Barack Obama hat sich zum ersten Besuch eines US-Präsidenten seit Ausbruch des Kalten Kriegs für 21. März angesagt. Mit dem Ende der US-Sanktionspolitik steuern immer mehr Staatsoberhäupter Havanna an. Nach dem französischen Präsidenten Hollande ist der österreichische Bundespräsident das zweite Staatsoberhaupt Europas, das Kuba einen Besuch abstattet.

Heinz Fischer bricht heute zu einer Staatsvisite begleitet von einer großen Wirtschafts- und Politikerdelegation auf – angeführt von Justizminister Wolfgang Brandstetter, den Klubchefs Andreas Schieder (SPÖ) und Reinhold Lopatka (ÖVP) sowie den Wiener Stadträten Sonja Wehsely und Andreas Mailath-Pokorny. Donnerstag fliegt Fischer weiter nach Bogota (Kolumbien), wo die Wiederöffnung der heimischen Botschaft und der Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen auf dem Programm stehen.

Wiedersehen mit Fidel?

Österreich unterhält seit 70 Jahren diplomatische Beziehungen zu Kuba und hat diese, unterstrich Fischer vor Abflug, "als neutrales und dialogbereites Land immer aufrechterhalten". Empfangen wird Fischer von Raul Castro, Bruder des schwer kranken Fidel. Ein Treffen mit dem 89-jährigen Revolutionsführer a.D. ist nicht geplant und galt knapp nach dem Tod dessen älteren Bruders Ramon bei der Abreise als wenig wahrscheinlich.

Es wäre ein Wiedersehen vor Ort nach 36 Jahren. Ende März 1980 hat Fischer als SPÖ-Klubchef im Auftrag des damaligen Kanzlers Bruno Kreisky (SPÖ) und des deutschen Ex-Kanzlers Willy Brandt (SPD), Fidel Castro aufgesucht. Nach Einmarsch der Russen in Afghanistan sollte Fischer Castro überzeugen, auf Moskau vermittelnd einzuwirken. Weil Castro "die Sowjetunion entweder nicht beeinflussen konnte oder gar nicht wollte" (Fischer), blieb der Besuch aus einem anderen Grund bleibend in Erinnerung: Fidel Castro referierte bis drei Uhr früh ohne Ermüdungserscheinungen über die Weltlage bis Fischer langsam doch zum Aufbruch drängte. Der damalige Botschafter sah Fischer danach zu dessen Erstaunen vorwurfsvoll an. Fischer zitierte hinterher mit einem Augenzwinkern dessen Vorwurf mit den empörten Worten: "Heinz, warum hast Du so plötzlich Schluss gemacht? Der war so in Fahrt, wie ich ihn noch nie gesehen habe, der hätte uns alles erzählt, was wir wissen wollten."

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