Othmar Karas: "Ich warne vor einer verlorenen Generation"

© APA/RUBRA

Interview
05/12/2014

"Happening über die Zukunft Europas"

Othmar Karas war an der Organisation des Europäischen Jugendevents maßgeblich beteiligt. Was er sich davon verspricht, erzählt er im Interview.

Können Sie mir etwas über Sinn und Ursprung des Jugendevents erzählen und Ihre Rolle dabei?

Ich bin im Präsidium des Europäischen Parlaments, zusammen mit der griechischen Abgeordneten Anni Podimata lag es auch in meiner Verantwortung, dieses größte Jugendevent des Parlaments zu entwickeln und durchzuführen. Das Motto ist „Europa besser machen“, wir wollen die Türen des Europäischen Parlaments öffnen, damit die Jugend sich verstärkt in die Diskussion einbringen kann und Europa zu ihrem Anliegen macht, Ideen entwickelt und austauscht.

Es gibt 20 Aktivitäten in und um das Parlament in Straßburg, zum Beispiel Workshops, Aufführungen, oder das YO!-Fest. Das Ziel wird sein, die Ergebnisse, die erarbeitet werden, im nächsten Parlament in den zuständigen Ausschüssen vorzustellen. Die Jugend steht dabei im Mittelpunkt, man muss sie einbinden und zuhören. Es geht darum, wie die Zukunft Europas aussehen soll. Dementsprechend sind die Themen gewählt: Beschäftigung, Europas Rolle in der Welt, Bildung.

Ich war von Beginn an eingebunden und es ist kein Zufall, dass der Event am Europatag (9.Mai) stattfindet. Ich will aber einen jährlichen Event, es soll regelmäßig stattfinden, nicht nur vor der Wahl. Auch die Altersbestimmungen – die Teilnehmer sind zwischen 16 und 30 Jahren alt, sind bewusst gewählt. Österreich ist ja das einzige Mitgliedsland, indem die 16-Jährigen mitwählen dürfen. Und auch sie sollen miteinbezogen werden.

Es soll kein Wahlkampfevent werden, sondern ein Happening über die Zukunft Europas. Unser wichtigster Partner dabei ist das Europäische Jugendforum. Teilnehmen werden 17 österreichische Gruppen, 296 Teilnehmer.

Wieso sind Sie nicht dort? Sie waren als Redner angekündigt

Ich kann wahrscheinlich nicht dort sein, allein verkehrstechnisch. Der Europatag ist auch in den Mitgliedsländern wichtig, es gibt viele Veranstaltungen. Und im Wahlkampf bin ich allein diese Woche in sechs verschiedenen Bundesländern unterwegs. Aber meine Mitarbeiter sind vor Ort.

Ist das nicht ein Treffen der künftigen Elite der EU-Institutionen? Jugendliche aus Krisenländern, die nicht schon in Organisationen engagiert sind, könnten sich vielleicht nicht einmal die Reise leisten

Na einerseits gibt es auch viele Diskussionsforen auf den diversen Social-Media-Kanälen des Europäischen Parlaments, andererseits werden viele Teilnahmen von offiziellen Gruppen aus den verschiedenen Ländern gesponsert. Auch viele nationale und europäische Organisationen und Gruppen von Betroffenen wurden eingeladen. Das ist einmal der Startschuss.

Wir haben versucht, eine breite Mischung einzuladen, um eine Diskussion zu ermöglichen. Den Begriff „elitär“ sehe ich nicht bestätigt, schon allein durch die Vielfalt beim Event.

Wird das Leben für Jugendlich durch Europa besser? Im Moment hat das Gegenteil den Anschein, man spricht von einer verlorenen Generation.

Ich warne ja vor einer verlorenen Generation. Die Europäische Union soll mehr gegen die Arbeitslosigkeit tun, soll wettbewerbsfähiger werden. Ich trete dafür ein, dass die EU Bildungs- und Forschungsstandort Nummer eins in der Welt werden soll. Sie soll Schulden reduzieren und Strukturen reformieren. Wir wollen ja auch, dass etwa Österreichs duale Berufsausbildung europäisiert wird. Die Europäische Union hat eine Schieflage zwischen Wettbewerbsfähigkeitskompetenzen und Bildungskompetenzen. Eine Verbesserung ist nur mit Wettbewerbsfähigkeit und Investitionen möglich.

Dass Europa schuld sein soll, ist nachweislich falsch. Die größte Wunde der EU ist die Arbeitslosigkeit, besonders die der Jungen. Nur in Bezug auf Europa muss man schon ehrlich sein und sagen: Wenn Staaten pleitegehen, geben sie keinen Euro mehr aus für Bildung und Soziales. Der Europäischen Union ist es gelungen, dass keiner dieser Staaten bankrott gegangen ist. Und heuer ist es zum ersten Mal wieder so, dass die Beschäftigungszahlen steigen, die Investitionen dürften ab nächstem Jahr beginnen, zu greifen. Ohne die europäische Solidarität wäre die Situation schlechter. Und da habe ich auch die Vorschläge vorgelegt und gesagt, was zu tun ist und was schiefgelaufen ist. Dieser Prozess ist auch noch nicht abgeschlossen.

Ich kann Ihnen noch ein Beispiel aus Griechenland nennen: Wir haben etwa junge Menschen aus Griechenland nach Brüssel eingeladen zu einem Workshop, wie gegenseitige Hilfe aussehen kann. Daraus sind nicht nur Ideen entstanden, sondern zum Beispiel auch Unternehmensgründungen.

Im April wurde in Wien das Jugend-Bündnis der Rechten (FPÖ mit Gudenus, Front National, Schwedendemokraten und Vlaams Belang ) gegründet. Solche Jugendlichen sind nicht eingeladen. Ist das Angst vor einem Rechtsruck bei der Wahl?

Mir ist nicht bekannt, dass sich jemand nicht anmelden konnte. Es ist ein open event, jeder kann daran teilnehmen, jemand auszuschließen würden auch den europäischen Idealen widersprechen. Wir haben auch nicht Organisationen eingeladen, sondern Menschen und niemanden ausgeschlossen. Was den Rechtsruck betrifft: Der Populismus macht mir Sorgen. Wir wollen auf die Jungen zugehen und die EU besser machen, das bedeutet gestalten. Lautstärke hingegen schafft keine Kommunikation. Menschen, die bewirken, sind immer stärker, als die die immer nur gegen etwas sind.

Was bringt die EU-Wahl den Jungen? Spricht die ÖVP Jugendliche überhaupt im Wahlkampf an?

Das Europäische Jugendevent ist kein Wahlevent. Ich habe als Vizepräsident des EU-Parlaments Verantwortung für alle politischen Organisationen zu tragen. Die Jungen sollten wählen gehen, weil Europa ihre Zukunft ist. Wir wollen eine Chancen-Union bauen. Wir wollen die EU demokratisieren. Etwas zu bewegen, geht nur miteinander und das setzt Teilnahme voraus. Die Jungen überschreiten leichter Grenzen, sie sind mit dem Euro aufgewachsen und den vier Grundfreiheiten Europas. Das europäische Projekt soll zu eigen gemacht werden. Im Gegensatz zu meinen politischen Mitbewerbern spiele ich Europa hier nicht gegen Österreich aus.

Bleibt es bei der konservativen Mehrheit im Parlament?

Es gibt keine konservative Mehrheit im Europäischen Parlament, es gibt Christdemokraten, zu denen auch die ÖVP gehört, und Konservative. Ich nehmen an, dass es eine klare Mehrheit gibt für jene, die Europa besser machen wollen und eine Minderheit für jene, die nur Schulden machen wollen.

Postenwünsche für die Zukunft?

Erst einmal möchte ich die Wahl gewinnen und gestärkt daraus hervorgehen. Dann werde ich sehen, wie sehr mein Kurs bestätigt ist. Mein Kurs ist bekanntlich unabhängig und hat mir Sympathien über Parteigrenzen hinweg beschert. Das Wahlergebnis wird entscheiden über meinen künftigen Einfluss.

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