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Tsipras’ gut betuchte Marxisten
In der radikalen Syriza-Partei tummeln sich einige "linke Aristokraten" mit viel Geld.
Stellt man sich den typischen Marxisten als jemanden vor, der auf Materielles keinen Wert legt, dann würde man ihn in manchen der prominentesten griechischen Syriza-Politiker nicht erkennen. Einige von ihnen kommen aus recht wohlhabenden Häusern, andere haben sich aus eigener Kraft hochgearbeitet.

"Sir" Tsakalotos
Es war aber ein anderer Syriza-Politiker, für den die griechischen Medien den Begriff "linker Aristokrat" prägten – Euklid Tsakalotos, der vor Kurzem Varoufakis als Finanzminister abgelöst hat. Nichts an seinem Äußeren spricht über seine Herkunft. Er zeigt sich oft in zerknitterten, locker hängenden Sakkos und hat eine gutmütige, oft erschöpfte Miene. 1960 wurde er in Rotterdam in die Familie von Stefanos Tsakalotos, einem angesehenen Bauingenieur in der Schifffahrtsindustrie, geboren. Einige Jahre später zog er mit den Eltern nach London und besuchte dort die berühmte St. Paul – dieselbe Schule, in die auch der jetzige britische Finanzminister George Osborne gegangen ist. Sein elegantes, an die gehobene britische Klasse erinnerndes Englisch holte sich "Sir" Tsakalotos an der Elite-Uni Oxford.
Sprache der Eliten
Seine Syriza-Parteigenossen finden es toll, dass er die feine Sprache der politischen und Finanz-Eliten beherrscht. Viele sehen ihn als die geheime Waffe der griechischen radikalen Linken. Doch sorgt er daheim auch für Kontroversen. Seine schottische Frau Heather Gibson ist Direktorin und Beraterin bei der griechischen Notenbank. Beide sollen zwei Wohnungen in der noblen Athener Wohngegend Kifisia, ein Büro in der Stadt und ein Ferienhaus im Nordwesten Griechenlands besitzen.

Geld aus Hotelverkauf
Laut griechischen Medien soll sie auch im Jahr 2011 in Erklärungsnot geraten sein. In ihrer Vermögensaufstellung als Syriza-Abgeordnete soll sie Einlagen in britischen Banken für etwa 360.000 Pfund und dazu etwa 450.000 Euro angegeben haben. Das Geld stamme aus dem Verkauf eines Hotels, das sie von ihrem Vater geerbt habe, erklärte sie damals auf Fragen aus anderen Parteien.
"Das Problem bei diesen Politikern ist nicht, dass sie Geld oder Bankkonten im Ausland haben. Es ist ein Problem, dass gerade einige von denen über die Einführung der Drachme sprechen, während sie ihr Geld im Ausland aufbewahren. Das ist Heuchelei", sagt der Medienbeobachter George Tzogopoulos.