Athen braucht weitere 50 Milliarden Euro
Um einen markanten Spruch war der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis nie verlegen. In einem Interview mit Bloomberg TV kündigte er seinen Rücktritt an, wenn die griechische Bevölkerung beim Referendum am kommenden Sonntag für die Sparauflagen der internationalen Geldgeber stimmen. Parlamentarier möchte er aber weiterhin bleiben. Zudem werde er für ein Reformpaket, das nicht eine Umstrukturierung der Schulden mit sich bringe, nicht zu haben sein, auch wenn es zu einem "Ja" kommen sollte, sagt der Finanzminister: "Lieber würde ich mir den rechten Arm abhacken." Am Sonntag will die griechische Regierung die Bevölkerung in einem Referendum über die Forderungen der Gläubiger abstimmen lassen. Sie wirbt dabei massiv für ein "Nein" zu den Vorschlägen.
Eine Rückkehr vom Euro zur Drachme würde Griechenland nach Angaben von Varoufakis auch vor äußerst praktische Probleme stellen. "Wir haben die Notenpressen zerstört", sagte Varoufakis. Im Jahr 2000, ein Jahr vor der Einführung des Euro, war nach seinen Worten "eines der ersten Dinge, die wir tun mussten, alle unsere Notenpressen loszuwerden" - als Teil einer Beteuerung, dass "diese Währungsunion unumkehrbar ist". Zum Drucken der Drachme habe Griechenland somit "keine Kapazitäten" mehr.
50 Milliarden Euro bis 2018
Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem hat die Möglichkeit eines Ausscheidens der Griechen aus der Eurozone ins Spiel gebracht, sollten die Bürger des Landes bei dem Referendum gegen die Sparforderungen stimmen. Bei einer "Nein"-Stimme gebe es nicht nur keine Basis für ein neues Hilfsprogramm, "sondern dann ist es sehr fraglich, ob es überhaupt eine Basis für Griechenland in der Eurozone gibt", sagte er am Donnerstag. Ein Ausstieg eines Landes aus dem Euro ("Grexit") ist rechtlich allerdings nicht vorgesehen. Dijsselbloem sprach von einer "äußerst ernsten" Lage.
Griechenland hat nach einer vorläufigen Einschätzung aus dem Internationalen Währungsfonds IWF bis Ende 2018 jedenfalls einen zusätzlichen Finanzbedarf von 50 Mrd. Euro. Ausdrücklich heißt es in einem am Donnerstag veröffentlichten Papier, die jüngste dramatische Entwicklung in Griechenland sei dabei noch nicht berücksichtigt. Alleine zwischen Oktober 2015 bis Oktober 2016 würden 29 Mrd. Euro benötigt, heißt es weiter.
Tsipras glaubt an schnellen Deal
Seit Montag haben die Banken geschlossen. Bis 6. Juli, einem Tag nach dem Referendum zu den Sparauflagen der Kreditoren, sollen sie auch zu bleiben. Auch am Donnerstag haben sich angesichts der verordneten Kapitalverkehrskontrollen Schlangen vor Banken und Bankomaten gebildet. Pensionisten erhalten ein nummeriertes Ticket und müssen warten, wenn es sein muss, den ganzen Tag. Sie konnten 120 Euro abheben. Die drei größten griechischen Banken nehmen aber nun wieder Einzahlungen ihrer Kunden entgegen.
Die griechischen Banken werden nach den Worten von Ministerpräsident Alexis Tsipras nicht mehr lange geschlossen bleiben. Eine Einigung mit den Gläubigern auf ein neues Schuldenabkommen werde nach dem Referendum am Sonntag innerhalb von 48 Stunden zustande kommen, sagte Tsipras dem Fernsehsender ANT1 am Donnerstag. Dann würden die Banken auch wieder öffnen.
Die langen Warteschlangen vor den Geldautomaten bezeichnete Tsipras als beschämend. Dafür verantwortlich seien jedoch die Partner in der Euro-Zone, die die Europäische Zentralbank dazu gezwungen hätten, die für die griechischen Banken wichtige Unterstützung einzufrieren.
IWF-Chefin kritisiert Syriza
Nach der Zuspitzung der griechischen Finanzkrise hat die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, der linksgerichteten Regierung in Athen indirekt Unvernunft vorgeworfen. "Angesichts des Maßes an Unsicherheit, Verwirrung und ständiger Bewegung wäre aus meiner Sicht weiterhin ein bisschen mehr Erwachsensein erforderlich", sagte Lagarde am Mittwoch dem US-Fernsehsender CNN.
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