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Politik Ausland
09/18/2019

General und Saubermann: Netanjahus Albtraum Benny Gantz

Mit politischer Strahlkraft konnte Benny Gantz nicht glänzen, dennoch könnte er Israels künftige Regierung anführen.

von Ulrike Botzenhart

Benny Gantz hat den größten Teil seines Lebens in der israelischen Armee gedient. Der 60-Jährige hat gegen die radikalislamische Hamas im Gazastreifen gekämpft und war während der zweiten Intifada im Westjordanland im Einsatz. Bis 2015 war der stattliche Mann mit den kurzen grauen Haaren und hellen Augen Chef der israelischen Streitkräfte. Erst im vergangenen Dezember wechselte er in die Politik – um dann als Vorsitzender des Mitte-Bündnisses Blau-Weiß gleich zwei Wahlkämpfe in diesem Jahr zu bestreiten.
Das Motto des ehemaligen Militärs: Einigung statt Spaltung. 

Gantz präsentierte sich als Vertreter der Mehrheitsgesellschaft, der als Macher von außen in die Politik kommt –  sauber, ohne Korruption. Und damit als Gegenstück zu Israels Noch-Premier Benjamin Netanjahu, dem nach seiner Anhörung durch die Justiz im Oktober ein Korruptionsprozess droht.

Für Friedensregelung

Gantz setzt sich im Gegensatz zu Netanjahu für eine Friedensregelung mit den Palästinensern ein und distanzierte sich von der israelischen Besatzung. Zugleich ist er aber dafür, dass die großen Siedlungsblöcke israelischer Siedler im Westjordanland bei Israel bleiben.


Der in Israel geborene Gantz ist der Sohn einer Holocaust-Überlebenden aus Ungarn, die 1945 aus dem Konzentrationslager Bergen-Belsen befreit wurde. Sein aus Rumänien stammender Vater war führendes Mitglied der Hilfsorganisation Jewish Agency, die für Einwanderung nach Israel zuständig ist.

„Der Prinz“

Benny Gantz, der  Politikwissenschaften studiert hat, hat eine lange Militärkarriere hinter sich. 1977 wurde er eingezogen und diente bei den Fallschirmjägern. Im Libanon-Krieg 1982 war er als Kompaniechef an Kämpfen in Beirut beteiligt. 1989 wurde Gantz Kommandant von „Shaldag“ (Eisvogel), der Eliteeinheit der israelischen Luftwaffe. 2005 bis 2009 war Gantz Israels Militärattaché in den USA, von 2011 bis 2015 dann Chef der israelischen Streitkräfte.
Sein schneller Aufstieg innerhalb der Armee brachte ihm den Spitznamen „der Prinz“ ein. Die linksliberale Haaretz beschrieb ihn in einem Artikel als ausgeglichenen und stressresistenten Kommandanten, der seinen Erfolg in der Armee allerdings auch guten Kontakten zu verdanken hatte.

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