Gefährliches Säbelrasseln über dem Baltikum

Ein blaues Kampfflugzeug vom Typ Suchoi Su-35 mit der Nummer 42 fliegt am Himmel.
In letzter Zeit häufen sich die Verletzungen des Luftraums von Estland und Finnland durch russische Kampfflugzeuge.

Die NATO registriert bei der Luftraumüberwachung über dem Baltikum vermehrt provokative Manöver russischer Militärflugzeuge. In der Nacht zum Freitag hätten deutsche Piloten ein auffälliges und aggressives Verhalten russischer Kampfjets und Transporter beobachtet, bestätigte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Berlin Angaben von Insidern.

Zwei deutsche Eurofighter seien mehrfach alarmiert worden und aufgestiegen, um die russischen Flugzeuge zu identifizieren. Gründe für das russische Verhalten könne er nicht nennen, sagte der Sprecher.

Protestnote

Estlands Verteidigungsministerium warf der Regierung in Moskau vor, einer ihrer Kampfjets sei in der Nacht für weniger als eine Minute in den estnischen Luftraum eingedrungen. Das estnische Außenministerium habe dem russischen Botschafter in Tallinn eine Protestnote übergeben, teilten die Streitkräfte des baltischen NATO-Staates am Freitag mit. Nach estnischen Angaben war es die fünfte Luftraumverletzung durch Russland in diesem Jahr.

Nach Armeeangaben war ein Kampfjet vom Typ Su-27 ohne Erlaubnis und ohne Identifikation in den estnischen Luftraum eingedrungen. Die Maschine habe sich weniger als eine Minute nahe der Ostseeinsel Vaindloo aufgehalten.

Der estnische Rundfunk meldete zudem unter Berufung auf informierte Kreise, dass Russland ein Iskander-M-Raketensystem in die Ostseeexklave Kaliningrad verlegen wolle. Die Kurzstreckenraketen sollen demnach mit einem zivilen Transportschiff auf dem Weg von St. Peterburg in das Gebiet um das frühere Königsberg sein. Eine Stellungnahme aus Russland lag zunächst nicht vor. Russland hatte in den vergangenen Jahren immer wieder gedroht, Raketen an der Grenze zur EU in Kaliningrad zu stationieren. Die Iskander-Raketen haben eine Reichweite von mehr als 400 Kilometern.

Russische Jets über Finnland

Eine Verletzung des Luftraums beklagt auch Finnland. Zwei russische Suchoi-27-Kampfjets seien am Donnerstagnachmittag und -abend über dem Golf von Finnland in den finnischen Luftraum einflogen, erklärte die Regierung in Helsinki. Finnland ist zunehmend besorgt über die militärischen Drohgebärden Russlands, mit dem es eine 1300 Kilometer lange Grenze verbindet. Die Regierung in Helsinki hat daher ihre Beziehungen zur NATO verstärkt. Am Freitag unterzeichnete sie einen Vertrag mit den USA, der eine Zusammenarbeit in der Militärausbildung und die gemeinsame Nutzung von Informationen vorsieht.

Russland wies die Vorwürfe Estlands und Finnlands zurück. Zwei Kampfjets hätten am Donnerstag und Freitag lediglich Trainingsflüge im internationalen Luftraum absolviert, meldeten russische Nachrichtenagenturen unter Berufung auf das Verteidigungsministerium in Moskau.

Ein Eurofighter der Bundeswehr startet mit aktiviertem Nachbrenner.
A Eurofighter aircraft takes off at the International Aerospace Exhibition (ILA) in Schoenefeld on May 30, 2016. The Aerospace Exhibition at Schoenefeld Airport near Berlin takes place from June 1 till 4. / AFP PHOTO / TOBIAS SCHWARZ

Deutsche Eurofighter in Estland

Im estnischen Ämari sind seit Anfang September bis zu sechs deutsche Eurofighter stationiert, die bis April kommenden Jahres im Auftrag der NATO die Luftüberwachung über dem Baltikum verstärken. Die Bundeswehr ist in Estland mit etwa 200 Soldaten präsent. Die NATO hatte die Luftraumüberwachung nach der Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim durch Russland hochgefahren. Die baltischen Staaten verfügen über keine eigenen Kampfjets und fühlen sich durch Russland bedroht.

Russische Militärflugzeuge provozierten die NATO in der Vergangenheit immer wieder mit riskanten Flugmanövern und dem haarscharfen Heranfliegen bis an die Grenzen des baltischen Luftraums. Der Auslöser für den aktuellen Zwischenfall ist unklar. Am Freitag war jedoch der ukrainische Verteidigungsminister Stepan Poltorak in Estland zu Besuch. Die Ukraine kämpft gegen prorussische Separatisten, die den Osten des Landes 2014 unter ihre Kontrolle gebracht hatten.

Estland hat im Zuge eines Rüstungsgeschäfts mit den Niederlanden die ersten Panzer des Typs CV 9035NL erhalten. Die zwölf Fahrzeuge seien am Freitag auf dem estnischen Militärstützpunkt Tapa eingetroffen, teilte die Armee des baltischen Nato-Landes mit.

Estland und die Niederlande hatten im Dezember 2014 einen Vertrag über die Lieferung von 44 gebrauchten CV 9035NL unterzeichnet. Zudem erhält der Baltenstaat bis 2018 sechs Unterstützungsfahrzeuge auf einem Leopard-1-Chassis. Der Vertrag über 113 Millionen Euro war das bislang größte Rüstungsgeschäft in der Geschichte Estlands. Der Baltenstaat wird zusätzliche weitere 37 CV90 Panzergehäuse von Norwegen beziehen.

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