Warschauer Muskelspiel als Nachricht an Moskau
Am 15. August zeigt Polen seine Muskeln. Panzer und Raketenwerfer werden durch Warschau rollen, Kampfjets den Himmel über der Hauptstadt mit Kondensstreifen überziehen. Dazu marschieren mehr als 1000 Soldaten über die Straßen. Die bisher größte Waffenparade am "Feiertag des polnischen Militärs" weist in die Vergangenheit wie in die Zukunft.
Im Jahr 1920, symbolgeladen zu Mariä Himmelfahrt, schlug die polnische Armee die angreifende Rote Armee vor Warschau entscheidend. Ein patriotisches Highlight, "Wunder an der Weichsel" genannt, das selbstverständlich erst 1989 nach der Wende gefeiert werden durfte.
Ein neuer Konflikt mit dem Nachbarn scheint derzeit real. Laut Umfragen fühlen sich 45 Prozent der Polen durch die Ukraine-Krise von Russland bedroht, die Parade am Freitag soll daher auch das Sicherheitsgefühl festigen.
Der beliebte Präsident Komorowski versucht seine Landsleute auf idealistischer Ebene anzusprechen: "Russland mag eine Schlacht um die Ukraine gewinnen, doch den wichtigsten Krieg hat es verloren: den um Seele und Herzen der Ukrainer."
Doch diejenigen, die es konkreter wollen, fragen sich, was passieren wird, sollten die in Kaliningrad stationierten Kurzstreckenraketen wirklich auf die NATO-Mitglieder Polen, Estland, Lettland und Litauen abgeschossen werden. Die Russische Föderation hielt in der Enklave, die an Polen und Litauen grenzt, jüngst Großmanöver ab.
Zwar sieht Artikel 5 des NATO-Vertrages, der Bündnisfall, ein Eingreifen der Alliierten vor. Doch es ist nicht klar definiert, wie dieses aussehen würde. Schließlich ist der Bündnisfall in der 65-jährigen Geschichte der NATO noch nie eingetreten. Medien spekulieren, dass die restlichen NATO-Mitglieder allein mit verschärften Sanktionen reagieren könnten.
Aufrüstung
Polen setzt daher zunehmend auf die USA. Präsident Obamas Solidaritätsbekundungen Anfang Juni in Warschau wurden begrüßt. Doch die polnische Regierung unter Premier Tusk verlangt konkrete Unterstützung und wird auf dem NATO-Gipfel im September auf eine größere Präsenz von NATO-Truppen drängen. Jedoch nicht nur: Im Modernisierungsprogramm des Verteidigungsministeriums für 2014 sind zwei Milliarden Euro für Waffenkäufe vorgesehen. Dabei werden auch Offensivwaffen wie Marschflugkörper, die Russland erreichen können, angeschafft.
Vor 94 Jahren schaffte es die polnische Armee zwar, die Sowjets zu schlagen. Am 17. September 1939, beim Einmarsch der Roten Armee in Ostpolen, gelang dies jedoch nicht mehr – auch weil auf die Bündnispartner Frankreich und Großbritannien kein Verlass war.
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