Verbundene Augen: Gaza-Rückkehrer berichten von Schikanen bei Grenzübertritt
Nach ihrer Rückkehr in den Gazastreifen über den kürzlich wieder eröffneten Grenzübergang Rafah haben Palästinenserinnen von Schikanen durch israelische Sicherheitskräfte dort berichtet. Israels Armee wies diese Darstellung auf Anfrage zurück.
Die 70 Jahre alte Um Ahmed sagte der Deutschen Presse-Agentur, israelische Soldaten hätten Einreisenden die Augen verbunden. Bei Befragungen hätten sie zudem Drohungen ausgesprochen. Sie und andere Betroffene, darunter ältere und kranke Menschen, hätten zudem stundenlang warten müssen.
Eine andere betroffene Frau sagte, Soldaten hätten den Reisenden Habseligkeiten weggenommen, darunter das Spielzeug eines Kindes, das deshalb geweint habe. Die Palästinenserin aus der Stadt Gaza hatte eigenen Angaben zufolge Angst davor, festgenommen oder abgewiesen zu werden. Eine weitere Palästinenserin sagte, der Grenzübertritt von Ägypten aus in den Gazastreifen habe sich wie eine Bestrafung und nicht wie ein reguläres Verfahren angefühlt.
Israel: Keine Vorfälle von unangemessenem Verhalten bekannt
Die israelische Armee sagte dagegen: "Entgegen anderslautenden Behauptungen sind während der Sicherheitskontrollen am israelischen Grenzübergang für Bewohner des Gazastreifens, die aus Ägypten in den Gazastreifen einreisen, keine Vorfälle von unangemessenem Verhalten, Misshandlung, Festnahmen oder Beschlagnahmung von Eigentum durch die israelischen Sicherheitskräfte bekannt." Gepäckbestimmungen und Abläufe seien den Reisenden zuvor mitgeteilt worden.
Palästinenser: 52 Menschen via Rafah ein- und 71 Menschen ausgereist
Der wichtige Grenzübergang, der als einziger nicht über israelisches Gebiet führt, wurde am Montag eingeschränkt für den Personenverkehr wieder geöffnet. Aus Kreisen der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde hieß es, in den ersten beiden Tagen seit der Öffnung hätten insgesamt 71 Palästinenser den Gazastreifen verlassen. Darunter sind den Angaben zufolge 21 kranke Menschen, die für eine medizinische Behandlung ins Ausland wollen, sowie 50 Angehörige, die sie begleiten. Zugleich seien am Montag zwölf Palästinenser und am Dienstag 40 Menschen zurück in den Gazastreifen gekommen.
Die Ein- und Ausreise läuft unter Aufsicht und mit Unterstützung der EU-Mission vor Ort (Eubam Rafah) und wird nur gestattet in Fällen, die vom israelischen Geheimdienst genehmigt wurden.
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