Politik | Ausland
05.12.2018

Friedensgespräche für den Jemen mit Houthi-Rebellen

UNO-Vermittler Griffiths begleitete eine Delegation der Houthi-Rebellen aus der Hauptstadt Sanaa.

Vor Friedensgesprächen in Stockholm zum Bürgerkrieg im Jemen haben die USA die Konfliktparteien zu einem sofortigen Ende der Gewalt aufgerufen. "Die Menschen im Jemen haben viel zu lange gelitten", teilte US-Außenamtssprecherin Heather Nauert am Dienstag (Ortszeit) mit. Die USA unterstützten den UNO-Sondergesandten Martin Griffiths bei dessen Bemühungen.

UNO-Vermittler Griffiths begleitete eine Delegation der Houthi-Rebellen aus der Hauptstadt Sanaa, die nach Angaben der schwedischen Außenministerin Margot Wallström vom Dienstagabend in Stockholm ankam. Wallstöm teilte auf Twitter mit, die jemenitische Regierungsdelegation werde in Kürze erwartet. Der Beginn der Verhandlungen wird für Donnerstag erwartet.

Millionen notleidende Menschen im Bürgerkriegsland Jemen hoffen auf ein Ende ihres Martyriums. Die Vereinten Nationen bezeichnen die Situation im bitterarmen Jemen als derzeit schwerste humanitäre Krise der Welt. Zwölf Millionen Menschen stehen nach UNO-Angaben vor einer Hungersnot, alle elf Minuten stirbt ein Kind.

Man wolle die Konsultationen mit der international anerkannten Regierung des Krisenstaates in Schweden zu einem Erfolg machen, wie Houthi-Sprecher Mohammed Abdul Salam bestätigte. "Unsere Hände sind zum Frieden ausgestreckt". Eine offizielle Ankündigung der Vereinten Nationen zum genauen Beginn gab es zunächst aber nicht. Die Hoffnungen auf einen Durchbruch sind nach einer Reihe von Entspannungssignalen größer als bei Jemen-Treffen in der Vergangenheit.

Eskalation des blutigen Konflikts

Im Jemen kämpfen die Houthis gegen die international anerkannte Regierung des Landes, die von der saudisch geführten Militärkoalition unterstützt wird. Das sunnitische Saudi-Arabien sieht in den Rebellen einen Verbündeten seines schiitischen Erzfeindes Iran. Das Bündnis hat mit seinen Luftangriffen maßgeblich zur Eskalation des blutigen Konflikts beigetragen. Seit 2015 starben in dem Bürgerkrieg mehr als 10.000 Menschen.

Der Abreise der Houthis waren einige vertrauensbildende Maßnahmen in den vergangenen Wochen vorausgegangen. Erst am Montag waren 50 verletzte Rebellen "aus humanitären Gründen" aus Sanaa ausgeflogen worden. Ihre Behandlung im benachbarten Oman war eine Bedingung der Houthis für die Teilnahme an Friedensgesprächen. Auch ein umfassender Gefangenenaustausch zwischen Regierung und Rebellen schien bevorzustehen. Es wäre nach UNO-Angaben die erste unterschriebene Vereinbarung zwischen den Konfliktparteien in dem fast vier Jahre andauernden Konflikt.

Durchbruch "nicht außer Reichweite"

In Stockholm wird es Beobachtern zufolge auch erst einmal darum gehen, Vertrauen zwischen den Delegationen aufzubauen. Eine Reihe von Friedensgesprächen war in den vergangenen Jahren auch wegen der aufgeheizten Stimmung und gegenseitigen Schuldzuweisungen gescheitert. Ein Durchbruch in Stockholm ist Beobachtern zufolge zwar nicht außer Reichweite, gerechnet werden könne damit aber nicht. Die Vereinigten Arabischen Emirate, selbst Teil der saudisch geführten Militärkoalition, begrüßten die anstehenden Treffen als "wegweisende Gelegenheit" für eine tragfähige politische Lösung.

Große Bedeutung hat auch der Status der besonders umkämpften Hafenstadt Hodeidah. Über den Küstenort am Roten Meer läuft ein Großteil des Nachschubs für die Gebiete unter Houthi-Kontrolle im Norden des bitterarmen Landes. Die heftigen Kämpfe dort waren in den vergangenen Wochen abgeflaut, nachdem auch die USA unter dem Eindruck der Affäre um den Mord am saudischen Journalisten Jamal Khashoggi bei Saudi-Arabien verstärkt auf ein Ende des Krieges gedrungen hatten.

"Mitten in einer Katastrophe"

Das UNO-Welternährungsprogramms (WFP) unterstrich am Dienstag noch einmal, mit welchem humanitären Leid die Menschen im Jemen zu kämpfen hätten. "Jemen ist mitten in einer Katastrophe", sagte der Exekutivdirektor David Beasley. Von zwei Millionen schwer unterernährten Kindern sei die Hälfte für das WFP zurzeit nicht einmal zu erreichen. Im Jemen leben etwa 28 Millionen Menschen.

Nach einem Besuch vor Ort zeigte Beasley sich aber vorsichtig optimistisch, dass Bewegung in den Konflikt kommt. Bei seinen Gesprächen mit allen Seiten habe er eine gewisse Erschöpfung und eine deutlich höhere Bereitschaft zur Kooperation festgestellt.