Vier Jahrzehnte hat Jacques Chirac die französische Politik geprägt.

© REUTERS/PHILIPPE WOJAZER

Politik Ausland
09/26/2019

Französischer Ex-Präsident Jacques Chirac ist tot

Der ehemalige französische Präsident Jacques Chirac ist am Donnerstag im Alter von 86 Jahren verstorben.

Jacques Chirac ist tot. Der ehemalige französische Präsident verstarb am Donnerstag im Kreis seiner Angehörigen, teilte sein Schwiegersohn Frédéric Salat-Baroux der Nachrichtenagentur AFP mit. Chirac wurde 86 Jahre alt.

Vier Jahrzehnte lang hat der große Energiebolzen Jacques Chirac die französische Politik geprägt. Die letzten Lebensjahre lebte der gealterte Staatsmann zurückgezogen, öffentlichen Veranstaltungen blieb er schon viele Jahre fern. Seine Tochter Claude Chirac sagte vor Jahren über ihre Eltern: "Sie führen beide ein friedliches Leben, und das ist gut so. Das war immer ihr Wunsch."

In den vergangenen Jahren sorgten sich die Franzosen wiederholt um den Gesundheitszustand des Ex-Präsidenten, mehrfach musste er ins Krankenhaus.

Wie soll man einem Tiger widerstehen?

Chirac hat eine atemberaubende Karriere hinter sich - und mitgenommen, was Frankreich an wichtigen Jobs hergibt: zahlreiche Regierungsposten, zweimal Premierminister, zwölf Jahre an der Spitze des Staates (1995-2007). Ein Leben in den Palästen der Republik. Er punktete mit seiner Leutseligkeit - doch diese Volksnähe vereinte er in seiner Karriere stets mit einem knallharten Machtinstinkt. "Wie soll man einem Tiger widerstehen?", sagte sein Weggefährte Jerome Monod einmal über den energiegeladenen Chirac.

Seine Frau Bernadette, die dem bekannten Charmeur über Jahrzehnte die Treue hielt, lernte Chirac an der Polit-Universität Sciences-Po kennen. Die politische Laufbahn des Gaullisten begann in den 1960er Jahren im Fahrwasser des späteren Präsidenten Georges Pompidou, der ihn "meinen Bulldozer" nannte. Sprungbrett nach ganz oben wurde das Pariser Rathaus, wo Chirac zwei Jahrzehnte Bürgermeister war. 1995 gelang ihm im dritten Anlauf der Umzug in den Elyseepalast.

Zwei schallende "Non" prägten seine Amtszeit: An der Seite des deutschen Kanzlers Gerhard Schröder verweigerte er sich 2003 dem amerikanischen Irak-Krieg. Eine Niederlage für Chirac war dagegen das Nein der Franzosen zum Entwurf einer Europäischen Verfassung, das die EU in eine Identitätskrise stürzte. Weltweite Kritik erfuhr Chirac nach einer Serie von Atombomben-Tests in der Südsee. Er war aber auch der Erste, der die Mitverantwortung des französischen Vichy-Regimes an der Juden-Deportation anerkannte. "Eine Rede für die Geschichte", wie ein Chirac-Kenner später sagte.

Zwiespältig fällt auch seine innenpolitisches Bilanz aus. Chirac stand je nach politischer Wetterlage eher links, eher rechts und dann wieder in der Mitte. Seine Wiederwahl 2002 bescherte ihm 82 Prozent Zustimmung: Weil der rechtsextreme Front-National-Chef Jean-Marie Le Pen es in die Stichwahl geschafft hatte, stimmten auch Linke murrend für Chirac. Für große Reformwürfe nutzte er das allerdings nicht.

Schließlich wurde Chirac als erster Ex-Präsident der Fünften Republik strafrechtlich verurteilt - wegen Mauscheleien in seiner Zeit als Bürgermeister. Dem Prozess musste er wegen ärztlich attestierter Gedächtnisstörungen nicht beiwohnen.

Mit dem Abstand von seiner Amtszeit rückte immer mehr eine ganz andere Seite von Chirac in den Vordergrund: sein Faible für die Kunst außereuropäischer Kulturen, denen er als Präsident ein eigenes Museum in Paris schuf.

Haider: "Westentaschen-Napoleon"

Chirac war ein entschiedener Verfechter der "republikanischen Front" gegen den Vorstoß der extremen Rechten, und zwar nicht nur in Frankreich sondern in ganz Europa. Gemeinsam mit der belgischen Regierung war er im Jahr 2000 etwa federführend an den EU-Sanktionen gegen die Schüssel-Haider Regierung beteiligt.

Die von Chirac gewollten Sanktionen gegen die Koalition von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (ÖVP) mit der FPÖ von Jörg Haider blieben vom 4. Februar bis zum 12. September 2000 in Kraft. Die damals übrigen 14 EU-Staaten isolierten die schwarz-blaue Bundesregierung auf diplomatischer Ebene. Von Haider wurde Chirac daraufhin beim politischen Aschermittwoch als "Westentaschen-Napoleon" abgekanzelt, er löste damit weltweite Schlagzeilen aus.

Zu Verstimmung zwischen Österreich und Frankreich führte auch die konsequente Haltung Wiens zu den französischen Atomtests im Südpazifik, die in die Amtszeit Chiracs fielen. Eine Serie von sechs Atomversuchen im Pazifik, die im Herbst 1995 begann und am 27. Jänner beendet wurde, hatte weltweiten einen Proteststurm ausgelöst, dem sich Österreich anschloss.

Kritische Äußerungen des damaligen Bundeskanzlers Franz Vranitzky über die französischen Atomtests sorgten damals für Irritationen in Wien - ein geplantes Treffen Chiracs mit dem damaligen Präsidenten Thomas Klestil am Rande der UNO-Vollversammlung fand damals deshalb nicht statt.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat die Verdienste des verstorbenen französischen Ex-Staatschef Jacques Chirac gewürdigt. Der Präsident verliere einen engen persönlichen Freund, sagte Junckers Sprecherin Mina Andreeva am Donnerstag in Brüssel. Er sei "bewegt und am Boden zerstört" durch die Nachricht.

"Der Präsident findet keine Worte, seine Trauer auszudrücken", sagte Andreeva. Chiracs politisches Erbe für Frankreich und Europa werde ewig Bestand haben. Der Kommissionschef habe gesagt, Chiracs Lebenswerk und "sein Vermächtnis für Frankreich und die Europäische Union" würden "auf ewig bei uns bleiben".

 

In den sozialen Medien verabschieden sich zahlreiche Persönlichkeiten von Chirac, posten alte Fotos und Erinnerungsstücke. Hier eine Auswahl:

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