Schüler "wollte töten, egal wen": Auch Frankreich sorgt sich um Sicherheit an Schulen

Blumensträuße liegen vor einem Schulgebäude, ein Mann befestigt weitere Blumen an einem Zaun.
Nachdem ein 14-Jähriger im ostfranzösischen Nogent eine Schulaufseherin getötet hat, werden Rufe nach mehr Vorsichtsmaßnahmen lauter. Messerangriffe häufen sich.

Es werden immer mehr Blumensträuße an dem Sicherheitsgitter vor dem Collège Françoise-Dolto, einer Schule in Nogent im Osten Frankreichs. Doch auch das hohe Gitter konnte die Bluttat nicht verhindern, die sich am Dienstagvormittag, etwa zeitgleich mit dem Amoklauf in Graz, hier ereignet hat.

Bei einer unangekündigten Taschenkontrolle durch Gendarmen stach ein Schüler auf eine 31-jährige Aufseherin ein und tötete sie. Der 14-Jährige war bislang nicht negativ aufgefallen, engagierte sich sogar als „Anti-Mobbing-Botschafter“ der Schule. 

Weil er in der Untersuchungshaft ausgesagt hat, er habe „töten wollen, egal wen“, und laut Staatsanwalt Denis Devallois, wurde er nun wegen Mord angeklagt. Der 3.500-Einwohner-Ort steht unter Schock. „Solche Sachen sieht man im Fernsehen, wir dachten nicht, dass das in Nogent passieren könnte“, sagte Kevin, ein Schüler,  gegenüber Journalisten. 

Staatspräsident Emmanuel Macron beklagte das „Losbrechen sinnloser Gewalt“ und drückte den Hinterbliebenen des Opfers, ihren Kollegen und der ganzen Lehrergemeinschaft sein Beileid aus. Der Fall bringt einmal mehr Debatten über die Sicherheit an Schulen auf.

Eine Sitzung der französischen Nationalversammlung in Paris.

Trauerminute im französischen Parlament für die getötete Schulaufseherin

Die islamistisch motivierten Morde an den Lehrern Samuel Paty und Dominique Bernard in den Jahren 2020 und 2023 erschütterten das Land zutiefst. Im vergangenen April tötete ein 16-Jähriger in Nantes eine 15-jährige Klassenkameradin mit 57 Messerstichen und verletzte drei weitere Schüler. Der Täter wurde in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. In den vergangenen Monaten gab es eine ganze Reihe ähnlich brutaler Vorfälle.

„Wir müssen die Schulen und jene, die sie beleben, beschützen, das ist eine absolute Priorität“, sagte Bildungsministerin Élisabeth Borne am Mittwoch. Aber wie? Die Eingänge sind im Allgemeinen stark abgesichert. Bei den Öffnungs- und Schließzeiten steht Wachpersonal an den Türen. Abgesehen von den Vorschulen, wo die Eltern ihre Kinder in die Klasse bringen, dürfen Erwachsene schulische Einrichtungen nicht ohne Erlaubnis betreten.

Doch die Gefahr geht eben auch von den Jugendlichen selbst aus. Borne zufolge stieg die Zahl der gemeldeten Fälle, bei denen diese ein Messer bei sich trugen, innerhalb eines Jahres um 15 Prozent an. 

Macron forderte ein Verbot sozialer Netzwerke für unter 15-Jährige: Um dieses durchzusetzen, müsse im Rahmen der EU Druck auf die jeweiligen Internet-Plattformen ausgeübt werden.

Verkaufsverbot von Messern an Jugendliche

Im Gespräch sind außerdem Verkaufsverbote von Messern an Jugendliche – mit der offenen Frage, wie sich diese im Online-Handel umsetzen ließen – sowie eine Intensivierung der Kontrollen vor schulischen Einrichtungen oder sogar Sicherheitsschleusen an den Eingängen. Doch auch diese Idee ist umstritten. 

„Werden wir die Kinder bitten, eine Stunde früher zu kommen, um sich in die Warteschlange zu stellen?“, fragte die Linkspolitikerin Manon Aubry. Auch Menschenansammlungen vor Schulen seien ein Risiko. Polizeigewerkschafter Thierry Audouin gab ihr Recht: „Ein Gymnasium oder eine Mittelschule ist kein Gefängnis, und wenn jemand ein Messer hineinbringen will, reicht es, dieses über den Zaun zu werfen.“

Verstärkt richtet sich die Aufmerksamkeit aber auch auf das Thema der psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. „Die Frage, wie man mit denen umgeht, die schulisch abstürzen oder depressiv sind, wird nicht ausreichend behandelt“, sagte Catherine Nave-Bekthi von der Lehrergewerkschaft CDFT Éducation. Nur durch eine bessere Betreuung durch Schulpsychologen lasse sich das Problem an der Wurzel fassen. 

Allerdings wurden bei dem jungen Täter von Dienstag laut Staatsanwalt Devallois keine mentale Störung festgestellt, jedoch ein „Orientierungsverlust hinsichtlich des Werts von menschlichem Leben, dem er keine große Bedeutung zukommen zu lassen scheint“.

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