Flüchtlinge: Deutsche werden skeptischer
Die Deutschen beurteilen die Flüchtlingspolitik der Regierung ihres Landes einer Umfrage zunehmend skeptischer. 59 Prozent hielten die Entscheidung von Kanzlerin Angela Merkel für falsch, syrische Flüchtlinge aus Ungarn unregistriert nach Deutschland einreisen zu lassen, ergab eine am Montag veröffentlichte Umfrage im Auftrag der Initiative Markt- und Sozialforschung.
Hingegen fanden es Anfang September laut ZDF-Politbarometer noch 66 Prozent der Befragten richtig, Zehntausende Flüchtlinge aus Ungarn einreisen zu lassen.
Osten besonders kritisch
Insbesondere im Osten Deutschlands werde die Entscheidung nun abgelehnt - mehr als zwei Drittel (69 Prozent) heißen diese nicht gut. Im Süden Deutschlands, dort wo die meisten Flüchtlinge ankamen, zeigt sich ein anderes Bild. In Baden-Württemberg und Bayern lehnen nur 55 Prozent der Befragten die Entscheidung ab.
Zwei Drittel der Deutschen sehen ihr Land zwar als Einwanderungsland, jedoch sind über drei Viertel der Meinung, die Zuständigkeit für Flüchtlinge sollte weiterhin bei dem ersten sicheren Land liegen, welches ein Flüchtling erreicht. Mehr als vier Fünftel wollen wieder Grenzkontrollen einführen.
Die Initiative Markt- und Sozialforschung e.V. informiert die Öffentlichkeit über Markt- und Sozialforschung. Träger sind die Branchenverbände der Markt- und Sozialforschung.
Unterdessen machte Pegida-Gründer Lutz Bachmann einmal mehr Stimmung gegen die deutsche Asylpolitik. Bei einer Demonstration der antiislamischen Pegida-Bewegung sind am Montagabend in Dresden erneut tausende Menschen auf die Straße gegangen. Nach einer Schätzung von Studenten der Initiative "durchgezählt" nahmen bis zu 9.000 Menschen teil und damit erneut mehr als in der Vorwoche.
Eine AFP-Reporterin berichtete von einer aufgeheizten Atmosphäre in Dresden. Auch an einer sogenannten Legida-Demonstration in Leipzig beteiligten sich am Montagabend erneut mehrere hundert Menschen.
Pegida-Gründer Bachmann wetterte auf der Kundgebung auf dem Dresdner Neumarkt massiv gegen die Asylpolitik. Er sagte, es werde nicht bei "1,5 oder zwei Millionen" Flüchtlingen bleiben. Es sei eine "unlösbare Aufgabe, diese Leute zu integrieren". Viele Demonstranten schwenkten deutsche Fahnen und hielten Schilder mit Parolen gegen Flüchtlinge, wie "Asyltourismus stoppen", "Stop Asylbetrüger, jeder ist einer zuviel" oder "Islam ist Unterwerfung - Stoppt die Invasion jetzt!"
Drei Verletzte bei Auseinandersetzung
Nach Polizeiangaben kam es im Anschluss an die Kundgebung zu einer Auseinandersetzung zwischen fünf Personen, bei der drei Männer verletzt wurden. Ein 21-Jähriger wurde in ein Krankenhaus gebracht. Die Polizei ermittelt gegen zwei Tatverdächtige wegen gefährlicher Körperverletzung. Eine Polizeisprecherin sagte am Dienstag, es gebe Hinweise, wonach die Tatverdächtigen womöglich aus dem Pegida-Lager kommen. Die Opfer seien aber bisher nicht vernommen worden.
Bei der Legida-Kundgebung in Leipzig versuchten Gegendemonstranten mehrfach, den Aufzug zu stören und Absperrungen zu überwinden. Die Polizei verhinderte dies. Nach Schätzungen von "durchgezählt" mobilisierte Legida bis zu 800 Teilnehmer.
Anklage wegen Volksverhetzung
Gegen Pegida-Gründer Bachmann hatte die Staatsanwaltschaft Dresden am Freitag Anklage wegen Volksverhetzung erhoben. Bachmann wird vorgeworfen, im September vergangenen Jahres auf seiner Facebook-Seite Kriegsflüchtlinge und Asylbewerber unter anderem als "Gelumpe" und "Viehzeug" beschimpft zu haben.
Pegida steht für "Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes". Seit fast einem Jahr geht die Bewegung in ihrer Hochburg Dresden nahezu wöchentlich auf die Straße und macht Stimmung gegen Muslime, Flüchtlinge und Medien. Zuletzt hatte die Bewegung wieder einen stärkeren Zulauf.
Kommentare